1.900 Höhenmeter, 21 Kilometer Wegstrecke
Manchmal reicht ein Blick aus dem Fenster
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Ich schleppe mich mit schweren Füßen aus dem Bett, denn der Schoberstein ist eifersüchtig und will noch nicht vergessen werden. Ein Blick aufs Mobiltelefon ändert meine Sekunden zuvor gefassten Pläne, denn auch Matthias hat heute überraschend frei bekommen und ist gewillt sich einer ordentlichen Bergtour zu unterziehen.
Matthias startet sein neues Gefährt, das mich unweigerlich an die Upper-Class Heroes von O.C, California erinnert, und wir brettern gegen 10.30 Uhr unserem geliebten Toten Gebirge entgegen.
Ich gebe zu, den amerikanischen Highschool-Touch verliert der Song, wenn man California durch Hinterstoder ersetzt, aber das wunderbare Gefühl eines Aufbruchs bleibt. Und jetzt mal ganz ehrlich: Die Kalkriesen stehlen den unendlich langen Sandstränden doch mit Sicherheit die Schau! Und auch Josef's Dorfstube kann sich im Vergleich mit den Fischrestaurants am pazifischen Ozean sehen lassen! So ironisch, wie es klingt, ist es gar nicht gemeint.
Der Ostrawitz soll es heute werden, kombiniert mit einem Sonnenuntergang am Kleinen Priel. Viel Höhenmeter, wenig Zeit. Mit dem Ostrawitz verbindet uns eine ganz persönliche Geschichte, die ich euch (hoffentlich) bald erzählen darf. Noch aber ist es nicht so weit. Noch will er die präpotenten Jungs von bergaufundbergab nicht.
Doch je näher wir Hinterstoder kommen, desto mehr wackelt der Stuhl auf dem der Ostrawitz Platz genommen hat. Schließlich verliert er die Reise nach Jerusalem, weil die Verlockung eine Audienz beim König zu ergattern, zu groß wird. Wir entschließen uns einen Versuch zu wagen und dem offensichtlich noch recht verschneiten Großen Priel die Ehre zu erweisen. Bewaffnet mit Laufschuhen, einem kleinen Rucksack und dem Wissen, dass es möglicherweise eine ordentliche Portion Durchhaltvermögen braucht, ziehen wir vom Parkplatz bei der Polsterlucke los (625m).
Der Weg ist allseits bekannt und nach einer kurzen Pause am wunderschönen Klinserfall, der bei den vorherrschenden Temperaturen kurzerhand zur Badewanne umfunktioniert wird, geht es auch unbeirrt zum heute (vermeintlich) geschlossenen Prielschutzhaus weiter (1.420m).
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| Der Klinserfall |
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| Blick zum "Big Boss" |
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| Pause beim Prielschutzhaus |
Nach kurzem Anbraten des Sitzfleisches und den obligatorischen dämlichen Witzen, ziehen wir weiter und treffen auf etwa 1.650 Metern auf die ersten Schneefelder. Schnell merken wir, dass es sich hierbei um sehr gutmütige Landschaftsentfärber handelt und wir nehmen ohne einzubrechen die direkte Linie Richtung Brotfallscharte.
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| Zuerst auf Wiese, dann auf einer durchgehenden Schneedecke |
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| Bild der Kontraste: Sommerliche Kleidung, winterliche Auflage. Nur das Weiß von Körper und Untergrund ist ident |
Die Temperatur ist mittlerweile bis auf 25 Grad Celsius geklettert und wir tun es ihr gleich und klettern, nach der unschwierigen Querung, die Brotfallscharte hoch. Hier ragen alle Seile aus dem Schnee und der "Originalweg" ist problemlos zu begehen. Mittlerweile zeigen wir dem Priel unsere nackten Oberkörper. Ob es ihm gefallen hat, ist fraglich, in die Tiefe befördert hat er uns nicht. Also dürfte er zumindest tolerant sein, der alte Herr.
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| Die Brotfallscharte |
Der "Aha"-Effekt beim Ausstieg auf 2340 Metern ist immer noch großartig und die verschneite, von der Sonne in herrliches Licht getauchte, Landschaft rundum Temelberg, Rotgschirr und Schermberg lässt das Herz in alle Richtungen hüpfen.
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| Immer wieder fantastisch: Der Blick beim Ausstieg |
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| Priel voraus! |
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| Ein besonders großer Vogel zieht seine Kreise |
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| Am Großen Priel |
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| Blick Richtung Kleiner Priel und Sengsengebirge |
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| Abstieg in der Brotfallscharte |
Den weiteren Abstieg könnte ich zwar wortakrobatisch wiedergeben, doch das folgende Video bringt den Spaß wohl besser zur Geltung:
Leider versuchen wir Rinne für Rinne auszunutzen und landen in den Latschen, von wo aus wir uns schimpfend wieder zurück auf den Normalweg schlagen. Auch auf bekannten Bergen können noch Fehler passieren, ein Umstand, der uns immer wieder vor Augen geführt wird.
Nach einem kurzen Bier bei Hüttenwirt Harry Höll, der seine Hütte eigentlich geschlossen hat, und uns freundlicherweise ohne mitgebrachte Geldbörse einen hopfig-malzigen Vorschuss gibt, geht es im Laufschritt zurück zum Ausgangspunkt, wo ein letzter Blick auf den Großen Priel für allgemeine Zufriedenheit sorgt.
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| Die Sonne taucht die Hochmölbing-Kette in rotes Licht |
Ein Tag wie damals, als wir noch junge, unerfahrene aber bis in die Zehenspitzen begeisterte Berg-Greenhorns waren, geht zu Ende. (Ein Schelm, der uns jetzt immer noch ähnliche Eigenschaften zuschreibt). Die gelebte Spontanität und die ungezwungene Freiheit sind zwei Dinge, die mir immer wieder zeigen, wie schön unser aller Hobby eigentlich ist.
Wer uns auf den Priel folgen möchte, dem sei der GPS-Track empfohlen!
Und: Wer mehr über die Arbeit von Harry Höll auf dem Prielschutzhaus erfahren möchte, der soll achtsam unseren Blog verfolgen, denn in Kürze Kinder wird's was geben! :)














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