Kleine Berge, große Wände: Durch die Schieferstein-Südwand



Der Schieferstein ist nicht nur ein beliebter Wanderberg. Er kann auf seiner Südseite ziemlich wild werden. Wie der wütende Gartenzwerg, der dort in der Wand wartet. 

Von Michael Wagner

Schieferstein-Südwand, Triple A (VII-)



AAA. Keine Angst, ich bin nicht auf der Tastatatur hängengeblieben. Triple A ist auch keine Bewertung eines Kreditinstitutes. Es ist eine wunderbare Kletterroute auf einen echten Wanderberg bei Reichraming. 1207 Meter hoch, vielseitig, aussichtsreich: der Schieferstein.

Ein sonniger Herbsttag,  10 Seillängen und eine Schlüsselstelle, bewertet mit "VII- (UIAA)". Alles angerichtet für unsere Dreierseilschaft. 

Wir stürzen uns von Prenn (723m)  aus in den kurzen Zustieg von etwa 150 Höhenmetern. Die Sonne leuchtet schon, die Finger freuen sich auf die Risse in der warmen Wand. 
Zuerst folgen wir dem Normalweg des Schiefersteins, der von den Oberösterreichern besonders bei Sonnenauf-und untergang erwandert wird. Wenn die letzten Strahlen das Grün der hügeligen Landschaft noch satter macht. 


Vorfreudestrahlen! 

Bei der ersten Möglichkeit biegen wir rechts auf eine Forststrasse ab, folgen dieser und queren unterhalb die gesamte Südwand, bis die Strasse ihr Ende nimmt. Die Tour findet hier allerdings erst ihren Anfang. Noch kurz auf einem Jägerpfad durch den Wald, bis man am östlichen Ende der Wand und somit auch am Beginn der Route steht. Es empfiehlt sich, hier einen genauen Blick aufs Topo zu werfen, da der Einstieg nicht ganz eindeutig ist.


Der Wegweiser wird bald zum "Routenweiser"

Kommen wir zum Eingemachten. Auf der Triple A gibts leider keine Zeit zum Warmwerden. Wir steigen direkt in eine mit dem 6. Grad bewertete Seillänge ein, gerade hinauf bis zum ersten Stand, welchem eine leichtere Querung (3+) folgt. Orientierungsschwierigkeiten haben wir soweit keine, da durch die gute Absicherung der Route der Weg beinahe nicht verfehlt werden kann. 

Wir queren, bis wir direkt vor einem markanten Baum stehen, welcher gleichzeitig den zweiten Standplatz bezeichnet. Weiter geht es mit sehr schöner, fast Bilderbuch-ähnlicher Kletterei, schwankend zwischen fünftem und sechstem Grad.
Auf geht es in die Schieferstein-Südwand
Uns werden zwar immer wieder einige Graspolster in den Weg gestellt, das trübt den Gesamteindruck aber kaum. Jetzt offenbart sich  auch der Blick in die mächtig wirkende Südwand. Sehr eindrucksvoll. Dem dritten Stand folgend noch ein kurzer Quergang (5), welcher in einen kleinen Grashang (2) mündet. Hier gilt es, wenn notwendig, noch eine kurze Verschnaufpause einzulegen, da es ab jetzt zunehmend schwieriger wird. Es nähert sich das, schon von weitem sichtbare, “Rissdach”. 


Die Graspolster in der Wand stören kaum

Wenn man mich fragt, ist 6+ eine etwas mutige Bewertung dieser Stelle. Aufgrund des brüchigen Gesteins, gleich oberhalb des Rissdachs, wird es für mich und Moritz eine Herausforderung, aus dem Dach wieder herauszusteigen. Nach nicht allzu langer Suche gelingt es uns, endlich einen passenden Griff zu finden, der nicht auszubrechen droht. 
Hier ist etwas Vorsicht geboten!


Vollbepackt mit Sachen, die das Leben schöner machen

Es geht wieder weiter Richtung Himmel, schnurstracks hinauf (5+), bis wir ein Fixseil auf einem Grashang erreichen. Von dort aus neigt sich die Route nun leicht Richtung links, immer weiter in die Wand hinein. Am nächsten Stand wartet ein Gartenzwerg auf uns. Ja richtig gelesen: “Ein Gartenzwerg”. Dieser präsentiert uns stolz seinen Mittelfinger. Bitte keine Halluzinationssorgen bekommen , dies ist glaube ich eher als Anspielung auf die bald folgende Schlüsselstelle zu verstehen.

Der böse Gartenzwerg (rechts, nicht links im Bild)
Eine weitere Seillänge im sechsten Grad später, beginnt nun der interessanteste Part der Route: Ein langer, ausgesetzter Quergang (5-), der am Ende auch die Schlüsselstelle (7-) beinhaltet. Diese Seillänge ist mit unglaublichen 18 Bohrhaken versichert. Würde ich ihr einen Namen geben dürfen, hieße sie jetzt “Exenarmut”.


Richtung Quergang
Es handelt sich hier um extrem schöne Risskletterei im Quergang und auch die Schlüsselstelle ist mit 7- vollkommem richtig bewertet.
Wir klettern eine kleine Auslaufseillänge im fünften Grad weiter, als plötzlich immer mehr auffällt, dass die Route zunehmend ihren Charakter ändert. Es wird brüchiger, eingeschränkter und vor allem schwerer.

Hügelblick aus der Wand
In der vorletzten Seillänge gehts so richtig zur Sache. Brüchiger, kleingriffiger “Kletterspaß”, bewertet mit 6+, der mehr Kraftaufwand und Technik als die vorherige Schlüsselstelle verlangt. Das ist aber bekanntlich Geschmackssache!

Die letzte Seillänge fällt uns wieder etwas einfacher, allerdings ist sie nicht mehr so gut abgesichert wie die restliche Route. Das liegt vielleicht am vorherigen sparsamen Umgang mit den Bohrhaken..
Am Routenausstieg finden wir noch das Wandbuch vor. Wir folgen dem Gratverlauf noch Richtung Gipfel und steigen in weiterer Folge über den Wanderweg ab, zum Ausgangspunkt  zurück. 


Auf dem Gipfel des Schiefersteins


Details zur Route

- 10 Seillängen (eine Stelle 7-, mehrere Stellen 6+ und 6, 2 Stellen überhängend,  ansonsten leichter)
- Sehr gut abgesichert mit Bohrhaken, Stände fast immer doppelt gebohrt
- Sehr schöne, oft durch Risse geprägte Kletterei bis auf einige grasbewachsene Stellen, welche   aber nicht wirklich stören
- Stellenweise sehr ausgesetzt und steil

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