Die Bischofsmütze (2.458m), die vom Kopf fiel





28. Juni 2016


Bischofsmütze via Mützenschlucht (III+)


Bericht und Bilder: Moritz Mayer








Nach dem bitteren Kreislaufkollaps während der Prielüberschreitung und einem sehr ernsten Gespräch mit meinem Hausarzt, brauche ich wieder etwas Abstand von kraftraubenden Bergläufen. Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, bin ich mit 19 Jahren doch noch etwas zu jung für Läufe jenseits der 42 Kilometer und nach dem bevorstehenden Bergmarathon rund um den Traunsee ,werde ich versuchen wieder mehr auf meine Gesundheit zu achten.

Heute soll wieder mal eine richtige Bergtour her. Ziele gibt es genug. Ich brauche allerdings nicht lange um mich für die Große Bischofsmütze am Gosaukamm zu entscheiden.

Die 2.458 Meter hohe Felszinne ist die höchste Erhebung des Gosaukamms und nicht einfach zu besteigen. Selbst der Normalweg fordert Kletterfähigkeiten im unteren vierten Schwierigkeitsgrad und wenn man dann den Gipfel erreicht hat, muss man über diesen Weg auch wieder retour ins Tal steigen. Wenn man die Bischofsmütze sieht , weiß man sofort warum sie so heißt wie sie heißt.

Die Bischofsmütze wurde bereits 1879 von Johann Anhäusler und Johann Steiner erstbestiegen. Letzterer war übrigens der Vater des österreichischen Bergsteigers Georg Steiner, welcher als erster Mensch die Dachstein Südwand durchklettert hatte. Durch ihre einzigartige Form schaffte es die Bischofsmütze 1974 sogar auf eine Briefmarke der österreichischen Post.

Nun aber genug Daten und Fakten. Erst um kurz nach 10:00 Uhr vormittags erreiche ich das Gasthaus Hofalm über die Filzmooser-Mautstraße (4,50€). Ich steige aus dem Auto und schaue ob der Wetterbericht recht behält. Noch ist sich der Wettergott nicht sicher. Sonne oder doch Wolken? Schnell hole ich meinen Rucksack aus dem Auto und beginne mit dem Anstieg auf die Hofpürglhütte. An Kletterausrüstung habe ich ein 50 Meter Seil, drei Karabiner, zwei Expressen, Reepschnüre, einen Reverso, zwei Bandschlingen, einen Klettergurt und einen Helm dabei. Da ich allerdings alleine unterwegs bin werde ich dieses Material ohnehin nur für den Abstieg benötigen.
Los gehts am Parkplatz der Hofalm

Dort oben wartet sie bereits, die Bischofsmütze

Schöne Trails bergauf

Torstein (links), Rötelstein (rechts)

Die Hofpürglhütte ist auch schon erreicht

Nach einer halben Stunde erreiche ich die auf 1.705 Meter liegende Hofpürglhütte. "Größer als erwartet", denke ich mir als die "Holzhütte" vor mir auftaucht. Nun gibt es erst einmal Frühstück! Auf der gemütlichen Hüttenterrasse mit Blick auf die höhere Bergwelt stärke ich mich bevor ich mich aufmache weiter zu gehen.
Am Ende des Horizontes, die Bischofsmütze

Leicht bergan geht es weiter

Noch immer bedecken viele Wolken den Himmel, dennoch versichert mir die Hüttenwirtin der Hofpürglhütte, dass es heute garantiert nicht mehr regnen wird und heute der schönste Tag der gesamten Woche wird. Ich vertraue auf die erfahrenen Worte und verlasse die Gemäuer der Hütte in Richtung Bischofsmütze.

Der nicht markierte aber dennoch sehr ausgeprägte Weg in Richtung "Mützerl" begeistert mich sofort mit einer unglaublichen Aussicht. Schaut man nach links sieht man die gigantischen, mit Schnee bedeckten Berge der Hohen Tauern, schaut man nach rechts, ragen steile Felswände empor an denen Bergführer gerade mit ihren Gästen für die Große Bischofsmütze üben.

Dort drüben gibt es auch Berge über 3.000 Meter

Trotz des eigentlich gut prognostizierten Wetters ist es relativ ruhig. Nur wenige Leute waren mir bis jetzt begegnet. Nun steilt der Weg etwas auf. In einem steilen Bachbett, in dem noch einiges an Schnee liegt, steige ich höher bis ich eine Kuppe erreiche. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Einstieg in die Mützenschlucht, die Kletterschwierigkeiten bis zum IVten Schwierigkeitsgrad verlangt und gleichzeitig den Normalweg auf die Große Bischosfmütze darstellt.

Nun komme ich der Sache schon etwas näher

Rechter Hand baut sich das Mosermandl (2.088m) immer höher vor mir auf und die Landschaft erinnert mich zunehmend an das wunderschöne Südtirol mit seinen unglaublichen Dolomiten-Bergen. Nun wird der Weg zu einem richtigen Steig. Immer mehr Geröll erschwert mir den weiteren Aufstieg. Die Bischofsmütze ist generell bekannt als sehr Steinschlag gefährdeter Berg und in den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu großen Felsstürzen.
Der Rötelstein (2.247m) is trotz seiner geringen Höhe eine Augenweide

Diesen da!

Schon langsam nimmt die Mütze Form an

Unten das spitze Mosermandl (2.088m)

Der Einstieg vom Normalweg ist endlich erreicht! Als ich mir meinen Klettergurt anlege, verschwindet die Mütze kurz in den Wolken. Ein kalter Wind weht herunter und kurz überlege ich ob ich nicht doch noch etwas warten soll. Egal, solange es nicht regnet ist alles im grünen Bereich. Nun wartet der erste Vorbau auf mich. Zum Klettern ist dieser noch nicht wirklich. Nur eine kurze Stelle im unteren zweiten Schwierigkeitsgrad zwingt mich kurz dazu auf den Fels zu greifen.
Jetzt wirds ernst

Der erste Vorbau wartet, die Wolken nicht

Mittlerweile haben sich die Wolken schon wieder verzogen und ein kleines Wolkenfenster lässt in mir die Hoffnung nach Sonne hochkommen. Der zweite Vorbau ist dann nämlich schon etwas schwieriger. In einem kleinen Kamin geht es etwa 15 Meter (II+) nach oben, bevor dann das Gelände auch schon wieder leichter wird.
Ich stehe bereits über den Dingen

Der Wettergott meint es doch gut mit mir

Auch der zweite Vorbau ist bereits überwunden

Schnee, Mützenschlucht und Bischofsmütze

Jetzt beginnt der anspruchsvolle Teil der Tour. Ich stehe vor dem riesigen Altschneefeld direkt vor der Mützenschlucht. Steigeisen und Pickel? Leider Fehlanzeige. Ich schlage mir einige Tritte in das steile Schneefeld um bis zur Randkluft aufsteigen zu können. Die Mützenschlucht wartet bereits auf mich mit ihrer ersten heiklen Stelle. Eine kurze Stelle IV muss überwunden werden, doch davor muss ich es erstmal über die Randkluft schaffen. Ein Lotteriespiel beginnt. Hält die magere Schneebrücke oder nicht? Gott sei Dank. Sie hält. Mit einem großen Spreizschritt steige ich in die Mützenschlucht ein und überklettere die erste schwierigere Stelle.
Kampf der Giganten: Schnee vs. Fels

Der Torstein (2.948m) ist sich nicht sicher, Wolken oder nicht?

Jetzt gehts rauf in die Mützenschlucht, kurz vor der IVer Stelle bei der Randkluft

Schon mitten drin

Nun wird es wieder etwas leichter. Im zweiten Schwierigkeitsgrad klettere ich an zahlreichen Haken und Abseilständen vorbei, höher bis ich ein schmales, wiederum mit Schnee bedecktes Band erreiche. Endlich kann ich einmal durchatmen und kurz die grandiose Landschaft rundum den Dachstein bewundern. Das Mosermandl und die Hofpürglhütte liegen bereits weit unter mir.
Beim Raufschauen wird einem schwindelig

Beim Runterschauen allerdings auch

Das kurze, schneebedeckte Querband

Nach dem schmalen Band folgt eine weitere etwa 25 Meter hohe senkrechte Wand. Die erste Stelle dieser Wand (III) ist für mich ganz und gar nicht einfach zu meistern. Die Stelle ist an und für sich nicht so schwer, jedoch habe ich durch meine geringe Körpergröße einige Schwierigkeiten diese zu überwinden. Nun stehe ich unmittelbar unter einem großen Felsblock, der bei einem Felssturz in den 90er- Jahren hier in der Mützenschlucht steckengeblieben ist.  Über eine plattige steile Wand klettere ich rechts am Fels vorbei und erreiche abermals Gehgelände.
Ein bisschen windig ist es dennoch

Kurz vorm klemmenden Felsblock

Ein steiles Schneefeld trennt mich jetzt nur noch vor der Mützenscharte zwischen Großer- und Kleiner Bischofsmütze. Am Schneefeld heißt es wieder Stufen schlagen bis die Zehen schmerzen. Die harte Arbeit hat sich bezahlt gemacht und ich stehe endlich in der Mützenscharte. Nun ist es nicht mehr so weit zum Gipfel und auch die Ausgesetztheit lässt ein bisschen nach.
Dieses Schneefeld kurz vor der Mützenscharte hat es auch in sich

In II-III Gelände klettere ich weiter, westlich der Scharte hoch. Nach einigen genussvollen Kletterzügen in einer unglaublich schönen Gegend, erspähe ich nach einer kleinen Kuppe endlich das Gipfelkreuz der 2.458 Meter hohen Bischofsmütze. Am hölzernen Kreuz pausiere ich kurz und genieße das traumhafte Panorama. Plötzlich höre ich aus dem Nichts lautes Schnaufen hinter mir. Ein Einheimischer war kurz nach mir auch alleine hochgeklettert und steht nun unmittelbar hinter mir am Gipfel. Auf die Frage wie oft er schon hier heroben war, hatte er keine Antwort. Er meinte nur das er irgendwann einmal zu zählen aufgehört hatte. So schnell er hinter mir aufgetaucht war, so schnell verschwand er auch wieder und kurze Zeit später saß ich auch wieder alleine am Gipfel.
Die Kleine Bischofsmütze (2.430m) ist ähnlich wie sein großer Bruder sehr imposant, allerdings doch noch ein bisschen schwerer zugänglich

Die Welt krümmt sich in Salzburg

Endlich ist der Gipfel erreicht

Hoch die Hände!

Die Wolken im Salzkammergut verdichten sich zunehmend. Höchste Zeit für mich wieder die Fliege zu machen, da ich doch eine Weile für den Abstieg eingeplant habe. Ich will ja auf Nummer sicher gehen und mich über einige Passagen abseilen, um schwieriges Abklettern vermeiden zu können.
Kommt jetzt ein Gewitter?!

Bis zur Scharte klettere ich seilfrei ab. Ab dem steilen Schneefeld hole ich dann aber das Seil aus dem Rucksack. Ein 50 -Meter- Halbseil ist für solche Sachen perfekt. Leicht und einfach zu bedienen. Mithilfe eines Reversos seile ich mich nun bis zum großen Felsblock in der Mützenschlucht ab. Immer wieder lustig dieses Abseilen, denke ich mir während ich die Mützenschlucht hinunter sause.
Schnell runter!

Abseilen macht Spaß

Bis mitten ins Schneefeld und noch viel weiter!

Nach einer halben Stunde und drei Abseilern war der Spaß auch schon wieder vorbei und ich stehe beim großen Schneefeld direkt beim Einstieg der Mützenschlucht. Das Seil hatte die perfekte Länge und somit konnte ich mich auch problemlos über die Randkluft hinweg abseilen. Nun laufe ich wieder hinunter auf etwa 2.000 Meter Seehöhe.
Dann gehts wieder runter

Allerdings wartet unten bereits der nächste Gipfel

Dort beschließe ich noch kurzerhand das Mosermandl (2.088m) mitzunehmen. Auf einem Mosermandl bin ich ja schon des öfteren gestanden, allerdings war dieses immer das im Naturpark Riedingtal. Über eine steile, sehr brüchige und keineswegs zu empfehlende Rinne, steige ich nun also dem Gipfel des Mosermandl`s entgegen. Viele Höhenmeter sind es ja nicht und somit stehe ich zehn Minuten später am Gipfel dieses sehr selten besuchten Gosaukamm Gipfels. Hier habe ich noch einmal einen super Blick auf die Bischofsmützen und die umliegende Bergwelt bevor ich wieder absteige.
Übersicht Mosermandl

Am Gipfel des Mosermandls

Wunderschöner Dachstein und Umgebung!

Auf der Hofpürglhütte stärke ich mich noch mit einem wohlverdienten Radler und Spaghetti alla Bolognese, bevor ich wieder zum Parkplatz der Hofalm hinunter jogge. Mittlerweile ist es richtig schön geworden, die Vögel zwitschern und der Winter ist nun auch in höheren Lagen endlich Geschichte. Einem super Bergsommer steht nichts mehr im Weg!

Nach einer coolen Tour, ein leckeres Essen


Und auch ich stehe nun nicht mehr im Weg weitere Bilder der Tour im Fotoalbum zu bewundern:

Mehr über Moritz Mayer:

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