Die Zeit des Winterbergsteigens: Freud und Leid am Kleinen Buchstein (1.990m)- Südwestgrat (III)








Kleiner Buchstein (1.990m)
via Südwestgrat ("Winterbegehung")
05. April 2014

Aus drei wird fünf


Von Moritz Mayer





Es sind Erinnerungen, die unser Leben ausmachen. Dinge die großartig, gefährlich, tollkühn oder unvergesslich sind. Auch ich habe in meinem jungen Leben schon Dinge erlebt, die einen festen Platz im Langzeitgedächtnis ergattern konnte. Waren es prägende Situationen in meiner Schulzeit, lustige Momente mit meinen Freunden oder eben Erfahrungen oder Erlebnisse in den Bergen.

Besonders oft erinnere ich mich an den Herbst 2013 und das Frühjahr 2014 zurück. In dieser Zeitspanne hat meine Bergaktivität seinen Anfang gefunden.  Mittlerweile ist der frei definierbare Alpinismus  fixer Bestandteil meines Lebens.

Ich kann sagen, dass ich mich relativ kompromisslos dem ganzen angenähert habe und das meiste was ich heute über den Bergsport weiß, mir selber angelernt habe. Es war anfangs wie ein Sprung in das kalte Wasser und oft lagen die Touren die ich in diesem Zeitraum machte, deutlich über meinem damaligen Leistungsniveau. Touren wie meine Trisselwand-Besteigung oder ein Versuch den Grimming im Hochwinter über den Südostgrat zu besteigen, oblagen damals eher dem Motto: "Probieren und schaun ob's geht!", als der Vernunft. Mittlerweile hab ich das allerdings hinter mir.

Doch nun zum Thema, dem Kleinen Buchstein. Der Kleine Buchstein ist ein imposanter Berg im Gesäuse und verpasst nur knapp die 2000 Meter Marke. Bis auf seine Höhe steht er allerdings seinem großen Bruder, dem Großen Buchstein (2.224m) um nichts nach. Neben seinem Normalweg, welcher Kletterfähigkeiten bis zum zweiten Schwierigkeitsgrad verlangt, gibt es noch zahlreiche Kletterrouten auf dessen 1.990 Meter hohes Haupt. Eine dieser Routen ist der Südwestgrat (III), den ich Anfang April 2014 versucht habe zu klettern.

Schon früh morgens klingelte mein Wecker. Um genau zu sein, war es noch mitten in der Nacht und es war 02:30 Uhr. Etwas verschlafen kroch ich aus dem Bett und bewegte mich ins Badezimmer um meine Fersen abzukleben. Meine Bergschuhe waren zu diesem Zeitpunkt noch nagelneu und ich wollte keine Blasen riskieren. Leider hatte ich im relativ kleinen Badezimmer nur wenig Platz, da die meisten Lebewesen um diese Zeit ja noch schliefen.

Morgendliche Komplikationen im Badezimmer

Nachdem diese Hürde gemeistert war, ging es ab in Richtung Steiermark. Noch bei völliger Dunkelheit erreichte ich den Parkplatz in Griesbach (630m) und packte anschließend meine letzten Sachen in den 35 Liter Rucksack. Dann um kurz nach halb fünf Uhr startete ich meine Tour und folgte den Wegweisern durch den Wald in Richtung Kleiner Buchstein.

Start in Griesbach

Die Wegweiser leiten nach oben


Totenstille begleitete mich am Weg durch den finsteren Wald. Es ist immer wieder eine Herausforderung bei völliger Dunkelheit nur mit einer Stirnlampe bewaffnet durch so einen Wald zu spazieren. Immer wieder knackst es links und rechts. Immer wieder leuchten grüne Augen in der Ferne auf, die hoffentlich Tieren gehören und vom Schein der Stirnlampe reflektiert werden.
Auf etwa 1.000 Metern begann dann der Schnee und gleichzeitig der Kraftakt. Höhenmeter für Höhenmeter stieg die Schneemenge und schon bald standich knietief im weißen Gold. Langsam begann es dann auch zu dämmern und ich freute mich endlich der Dunkelheit zu entweichen.

Es dämmerte bereits

Mühsamer Aufstieg durch den Schnee

Auf etwa 1.400 Metern brach dann der Tag an. Einen Sonnenaufgang gab es heute leider nicht. Zu bewölkt war der Himmel. Nach dem sogenannten Sparerriegel, war der Weg für einige Höhenmeter kurz schneefrei und meine Beine hatten etwas Zeit zu verschnaufen. Wenig später, kurz bevor der Schnee dann wieder begann, ergab sich das erste Mal für heute ein Blick auf den Kleinen Buchstein (1.990m), der wirklich imposant zu mir herunter blickte.

Der Große Buchstein (2.224m)

Die Hallermauern in der Dämmerung

Der Kleine Buchstein zeigt sich das erste Mal

Dann begann wieder der Schnee. Und wie. Ich kannte ja den Sommerweg nicht und kämpfte mich so wie ich dachte die nächsten mit Schnee bedeckten Hänge empor. Leider marschierte ich aber durchwegs über Latschen und brach fast bei jedem Schritt bis zur Hüfte ein. Wenn ich mich heute daran zurück erinnere, fällt mir kaum eine Situation ein, die anstrengender war als mein damaliger Kampf mit Latschen und Schnee.

Typisches Zustiegsgelände

Dann sah ich den Kleinen Buchstein direkt vor mir. Ein wirklich steiler Zacken in der Landschaft. Ein wenig ehrfürchtig starrte ich zum Südwestgrat, über den ich in einigen Minuten zum Gipfel klettern sollte. Auch der Große Buchstein (2.224m) lächelte bereits vom Westen her herüber und beobachtete mich als ich dessen Kleinen Bruder einen Besuch abstatten wollte.

Der Kleine Buchstein (1.990m)

Die Ostwand


Die nächste Herausforderung bestand darin unter der gesamten Nordseite (durch die auch der Normalweg führt) zum Südwestgrat hinüber zu queren. Wieder eine extrem mühsame Aufgabe die viel Kraft verlangte. Eine Rutschpartie hinab in Richtung Griesbach wäre jetzt fatal gewesen und hätte mit Sicherheit schlimme Folgen gehabt. Nach der anspruchsvollen Querung im Schnee stand ich dann am Einstieg des Südwestgrates. Nun freute ich mich schon endlich klettern zu können. Ich setzte meinen Helm auf, verstaute meinen Pickel im Rucksack und blickte noch einmal auf die imposanten Schafzähne, welche eine Überschreitung zum Großen Buchstein ermöglichen würden. Dann ging es los.

Die Querung

Am Einstieg des Südwestgrates

Die Westwand

In schöner Kletterei überwand ich anschließend das erste Wandl des Südwestgrates. Grundsätzlich gibt es hier mehrere Möglichkeiten zwischen dem zweiten und dritten Schwierigkeitsgrad um nach oben zu kommen. Vorsicht sollte allerdings beim Fels geboten sein, da diesem nicht immer zu vertrauen ist. Nach dem ersten Wandl zieht der Grat dann anschließend wieder etwas nach links (II-III) und wenig später erreicht man leichtes Grasgelände, auf dem man locker gehen kann.

Das Einstiegswandl (III)

Am Ende des Einstiegswandls

Direkt am Grat entlang


Kurze Verschnaufpause am Grat

Kurz bevor der Grat dann wieder steil weiter geht, musste ich nochmal eine steile mit Schnee bedeckte Querung hinter mich bringen. Es wird immer ausgesetzter, jedoch erreichen hier die Kletterpassagen nur selten den III. Schwierigkeitsgrad. Es war wirklich ein Genuss in diesem Moment hier zu klettern und ich genoss jeden einzelnen Augenblick.

Der weitere Grat

Unten die Querung im Schnee

Typisches Gratgelände

Wenig später wird dann der Grat wieder etwas flacher und einfacher. Man befindet sich kurz vor dem Westgipfel des Kleinen Buchsteins. Kurz vor diesem Gipfel leitet die Originalroute des Südwestgrates dann eigentlich wieder in die Nordseite und durch diese zum Gipfelkreuz des Ostgipfels. Man umgeht praktisch den Westgipfel und den eigentlichen Hauptgipfel des Buchsteins. Da aber in diesem Teil der Nordwand so viel Schnee lag, war es unmöglich diese Originalroute zu klettern.

Kurz vorm Westgipfel

Tieflimauer (1.820m) und dahinter der Tamischbachturm (2.035m)

Nach einiger Zeit beschloss ich es dann zu wagen, über den Westgipfel und den Hauptgipfel zum Ostgipfel hinüber zu klettern. Praktisch eine Überschreitung aller drei Gipfel des Kleinen Buchsteins. Nun begann also eine kurze aber sehr knackige Reise ins Ungewisse. Bereits am Westgipfel wurde mir anschließend bewusst, dass das nicht leicht werden würde. Am schmalen Grat einen Fuß links den anderen rechts, bewegte ich mich schon fast kriechend vorwärts in Richtung Hauptgipfel. Es war relativ unangenehm aber es ging und kurze Zeit später hatte ich auf einem kleinen Absatz etwas Zeit zu verschnaufen.

Das Hochtor (2.369m)

Der Große Buchstein (2.224m)

Vor mir der Westgipfel und der spitze Hauptgipfel des Kleinen Buchsteins

Dann stand ich unmittelbar vorm Hauptgipfel des Kleinen Buchsteins. Auf dem darunter folgenden Bild schaut das Ganze jetzt noch etwas schlimmer aus als es dann wirklich war. Ich kletterte dann einfach darauf los und versuchte die wenigen Meter zum Hauptgipfel zu überwinden. Ich kletterte einige Meter hoch, dann versuchte ich mich nach links über ein Art schmales Band zu hanteln und anschließend kletterte ich über eine sehr glatte und steile Platte zum höchsten Punkt des Kleinen Buchsteins. Auch wenn es nur kurz war, am Gipfel hatte ich so gut wie alle meine Nervenzellen verloren gehabt. Ich war nervlich komplett am Ende und war eigentlich nur froh das es endlich vorbei war. Aus der angegebenen "III- Tour" wurde letztendlich mindestens eine "V- Tour".

Am Westgipfel, Hauptgipfel voraus!

Hier der Aufstieg auf den Hauptgipfel im Detail

Der Abstieg zum Ostgipfel war anschließend kein wirkliches Problem mehr. Am Ostgipfel ließ ich mich dann zum Gipfelkreuz fallen und blickte lange Zeit einfach mal in die Ferne und bestaunte die wunderschöne Natur im Gesäuse. Ehrfürchtig wagte ich anschließend noch einmal einen Rückblick zum Hauptgipfel und machte mich anschließend an den Abstieg.

Übergang zum Ostgipfel (mit Kreuz)

Rückblick auf den Hauptgipfel

Am Ostgipfel

Der Abstieg über den Normalweg (II+) ist bei Schnee allerdings auch kein Zuckerschlecken und ich brauchte einige Zeit bis ich wieder den Wandfuß des Kleinen Buchsteins erreicht hatte. Anschließend ging es über viel Schnee und lange Wanderwege wieder hinab ins Tal nach Grießbach. Dort angekommen sah ich auf meiner Uhr, dass es noch nicht einmal Mittag war und somit beschloss ich am Nachmittag noch den "Kaiser-Franz-Joseph-Klettersteig" am Hochblaser (1.771m) zu durchsteigen.

Abstieg über den Normalweg





















Franz-Joseph-Klettersteig am Nachmittag

Nach dieser sehr schönen aber doch sehr anstrengenden Nachmittags-Beschäftigung ging es für mich dann endgültig wieder zurück nach Oberösterreich und eine meiner anspruchsvollsten Touren ging zu Ende.

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