16.Oktober 2015: Eis, Nebel, Schnee und acht Gipfel auf der Reiter Alpe



Eis, Nebel, Schnee und viel Freude

30 Kilometer, 2.200 Höhenmeter

Bericht und Bilder:
Moritz Mayer









Es sind jene Tage, an denen jeder gerne zu Hause vor dem warmen Kamin sitzt. Es sind jene Tage, an denen eine heiße Tasse Tee und ein gutes Buch alle Sorgen verschwinden lassen können. Es sind jene Tage, an denen man vom Küchenfenster aus nicht einmal die Hausfassade des Nachbarn erkennen kann. Nebel, Kälte und Regen bestimmen diese Tage. In den höheren Lagen hat sich auch schon der erste Schnee auf Wiesen, Felsen und Bäume gelegt. Der Herbst hat endlich Einzug gehalten.

Gegen jegliche Vernunft haben Gabriel und ich heute dennoch beschlossen unseren geliebten Bergen einen Besuch abzustatten. Da wir wieder mal statt Traunstein, Brunnkogel oder Priel etwas Neues machen wollten, fiel unsere Wahl auf das Berchtesgadener-Land. Genauer gesagt ,sollte es heute auf die Reiter Alpe gehen. Dort gibt es für uns Oberösterreicher ja noch viel zu erledigen. Eine ordentliche Gipfelrunde soll mal wieder her!

Um Punkt 8:00 Uhr steigt Gabriel zu mir ins Auto. Wir befinden uns bereits in Salzburg. Jedes Mal wenn er das tut, erinnert ihn der Geruch meines fahrbaren Untersatzes an vergangene Abenteuer und Blödheiten. Nicht ohne Grund trägt es den Namen: Alpin-Mobil!
Im Alpin-Mobil nähern wir uns anschließend der Staatsgrenze. Um nicht in den Kilometer langen Kontroll-Stau zu geraten, fahren wir bereits in Wals ab. Regen prasselt auf die Windschutzscheibe und unsere Motivation aus dem Auto zu steigen sinkt gegen Null.

Dennoch erreichen wir wenig später den Parkplatz an der Schwarzbachwacht. Es dauert einige Zeit, bis wir aus dem Auto steigen. Als wir es dann doch wagen, strömt uns kalte Luft entgegen. Der Regen ist etwas leichter geworden, dennoch sind wir dank des Pritschelns schon nach den ersten paar Schritten im Gras komplett durchnässt. Mit dem Motivationssatz: "Oben schneits, dass is besser als Regen!", sprinten wir dem Wachterlsteig entgegen.

Dann erreichen wir die erste Tafel. "Neue Traunsteiner Hütte über Wachterlsteig: 4 Stunden." Diese Zeitangabe lässt uns dann doch etwas erschrecken, da es ja eigentlich nur 800 Höhenmeter zur Hütte sein sollen. Nach einigen Spitzkehren am Wachterlsteig, erreichen wir die Schneegrenze. Kurz scheint es aufzureißen, doch der Schein trügt und wir wandern weiter im Nebel nach oben. Nach nicht einmal einer Stunde blicken wir auf die Uhr. Wir müssten laut Höhenmesser ja eigentlich schon auf der selben Höhe wie die Neue Traunsteiner Hütte sein. Dies war zwar richtig, doch nun begann das Plateau der Reiteralpe. Was auf der Karte nicht sehr weitläufig aussieht, ist in Wirklichkeit sehr, sehr weitläufig. Fast eine Stunde lang liefen wir bergauf und bergab. Als wir schon dachten wir seien auf dem falschen Weg, erblickten wir die Hütte. Endlich!

Bald ist die Schneegrenze erreicht


Leise rieselt der Schnee...

Leider keine Sonne

Die Neue Traunsteiner Hütte (1.560m) ist erreicht











Beim Eintreten ins Gastzimmer sah uns der Hüttenwirt etwas verdutzt an. "Mit Gästen haben ma heute wirklich ned gerechnet!", meinte er. Nach einer kurzen Stärkung im Neuen Traunsteiner Haus setzten wir unsere ausgefrorenen Füße wieder vor die Tür. Nun waren die Gipfel an der Reihe. Acht an der Zahl sollten es heute werden.

Eine Stärkung muss sein

Mit Tempo geht es dem Edelweißlahner entgegen


Der erste war der sogenannte Edelweißlahner, welcher 1.953 Meter über Berchtesgaden thront. Der Weg dorthin war ähnlich wie der Wachterlsteig. Es ging ewig bergauf und bergab und man hatte das Gefühl man würde nie an sein Ziel kommen. Nach etwa 45 Minuten erreichten wir es dann aber doch. Eines muss man den Berchtesgadener Gipfeln lassen: Sie haben fast alle schöne Gipfelkreuze.
Am Grat angelangt

Edelweisslahnerkopf (1.953m)


Nach einer nicht sehr langen aber dafür umso kälteren Rast im Schneetreiben, ging es weiter in Richtung Schottmalhorn (2.045m). Schon etwas Kopf geschädigt durch die Kälte liefen wir am Grat entlang und riefen lauthals: "Schmotti, Schmotti!". Nach einer weiteren Stunde war auch unser erster, heutiger 2.000er erreicht. Abermals bewunderten wir am Gipfel die wunderschönen sechseinhalb Meter Tiefblicke.

Nächstes Ziel: Schottmalhorn (2.045m)


Am Gipfel des Schottmalhorns

Weiter ging es in Richtung Hohes Gerstfeld (2.032m). Die Wolken wurden immer dichter und der Schnee wurde auch immer intensiver. Eine richtige schöne Freitag-Nachmittags-Beschäftigung.
Das Hohe Gerstfeld

Unser unfreiwilliges nächstes Ziel trug den Namen "Prünzlkopf" und ist 2.082 Meter hoch. Beim Abstieg vom Hohen Gerstfeld, verstiegen wir uns nämlich und standen schon bald in weglosem Steingelände. Durch Zufall fanden wir ein paar Steinmänner, welche uns unfreiwillig auf den Prünzlkopf führten. Anschließend versuchten wir uns noch irgendwie zu orientieren, doch mussten letztendlich dem schlechten Wetter klein bei geben und wieder zurück. Am Rückweg trafen wir Gott Sei Dank wieder auf Rot-Weiß-Rote Farbmarkierungen und wir waren wieder am richtigen Weg.

Prünzlkopf (2.082m)

Am Reiter Steinberg (2.061m) wurde es dann schon langsam mit der Zeit knapp. Wir wollten doch eigentlich noch weiter bis zum Wagendrischlhorn, doch war es schon spät und nur einer von uns hatte eine Stirnlampe im Rucksack. Egal. Abermals gegen jegliche Vernunft liefen wir den Grat weiter in Richtung Wagendrischlhorn und standen im Vorbeilaufen auf den beiden Gipfeln der Plattelköpfe (Oberer Plattelkopf - 2.098m, Unterer Plattelkopf - 2.110m). Eine typische Egger-Mayer Aktion wie aus dem Bilderbuch.

Nun standen wir vor dem steilen Nordanstieg des Wagendrischlhorns (2.252m). Nach bereits einigen Kilometern sowie Höhenmetern, waren unsere Beine schon sehr müde. Dennoch musste dieser Gipfel jetzt noch erstiegen werden. Auch wenn es nur etwas mehr als 200 Höhenmeter waren, war der Anstieg aufs Drischlhorn die reinste Hölle. Unsere Oberschenkel brannten und unsere Köpfe waren leer. Dann war es endlich geschafft. Der achte Gipfel des heutigen Tages war bestiegen und wir ließen uns erschöpft neben dem Gipfelkreuz zu Boden fallen. Nach einer kurzer Verschnaufpause und etlichen Überlegungen über die meist gestellteste Frage unter uns Bergsportlern: "Warum zur Hölle macht man das überhaupt?", liefen wir wieder bergab.

Letzter Wegweiser vorm Wagendrischlhorn (2.257m)

Und der höchste Berg des heutigen Tages: Das Wagendrischlhorn

Durch die Rossgasse erreichten wir in etwa einer Stunde wieder die Neue Traunsteiner Hütte und stärkten uns dort ein letztes Mal. Erst um kurz nach 17:00 Uhr verließen wir die Hütte wieder und kamen kurz bevor die absolute Dunkelheit anbricht wieder zum Alpin-Mobil zurück.

Völlig ausgefroren und erschöpft traten wir anschließen wieder die Heimreise an und überlegten wie es uns wohl morgen am Prielschutzhaus-Skyrace ergehen wird.

Doch das ist eine andere Geschichte...

Wer mitfrieren will, dem haben wir hier den GPS-Track bereitgestellt:

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