Hochkönig Tagebuch #2: Birnhorn und andere Süßigkeiten

























Er ist schon alt, viele Menschen haben ihn  gesehen, begrüßt und sind weitergezogen. Bräuchte er eine Kopfbedeckung, es wäre wohl ein alter Hut. Dennoch ist er immer noch beliebt, ja sogar heiß begehrt. Er gehört zur absoluten Prominenz. Viele Menschen wollen ihn besteigen, auf ihm verweilen, ihn genießen.

Nein, die Rede ist nicht von George Clooney. Es ist der Gipfel des Birnhorns, der ganz nach Karel Gott zu leben scheint: für immer jung. Denn er ist nicht nur ein echter Leckerbissen, wie sein fruchtiger Namensvetter, sondern  gehört auch zu den dreißig prominentesten Gipfel der Alpen. Das bedeutet das Birnhorn hat eine enorme Schartenhöhe. Dies wiederum ist das Maß für die Selbstständigkeit eines Gipfels. Das Birnhorn ist mit seinen 2.634 also sehr selbstständig, braucht keine elterlichen Beihilfen mehr.

Die Südwand dominiert die Umgebung rund um Leogang und Saalfelden. Das ausgiebige Frühstück liegt noch schwer im Magen, als wir die steilen Wiesenhänge Richtung Passauer-Hütte hinaufsteigen. Es ist so heiß, dass den Kühen das Kauen vergeht. Schwer schnaufend liegen sie im Gras und mustern uns mit dumpfem Blick. Wie ein Wurm schlängeln sich die Serpentinen durch den Wald. In der Südwand wurmt es auch ordentlich. Der Pinzgauer Wurm ist mit seinen 45 Seillängen eine der längsten eingebohrten Kletterrouten der Alpen. Bis zum sechsten Schwierigkeitsgrad bewegt sich dieser Wurm fort. Beeindruckend, diese geschichtete Wand, zerfressen und doch wunderschön.

Vorbei am Fahnenköpfl  und dessen Klettersteigen geht es zur traumhaft gelegenen Hütte. König Watzmann grüßt herüber und auch der wilde Hochkalter verstellt anmutig das Bild. Einen Kaffee später sind wir schon am Weg zum Hochzint, der ersten Zutat für den heutigen Obstsalat.

Am Hochzint (2.246m)
Die Aussicht ist schon von hier beeindruckend. Durch den heißen Schleier tritt das Wiesbachhorn hervor. Über plattige Stufen geht es über den Südanstieg nun der Prominenz entgegen. Trittstifte erleichtern die schwierigeren Stellen, doch mit dem Eisen hat man hier gespart. Der Fels unter den Fingern ist warm und griffig. Eine letzte ausgesetzte Platte und das riesige Holzkreuz ist erreicht. So fühlt es sich also an, mit Berühmtheiten in Kontakt zu kommen. Die zwanzig Grad am Gipfel sind angenehm, eine lange Pause folgt. Endlich Entschleunigung. Endlich wieder eine richtige Bergtour, ohne Stress und Zwang. Endlich wieder die alten, längst vergessenen Gefühle für die Berge spüren. Darum auch gleich eine Nachspeise. Am Besten Kuchen. Das Kuchlhorn bietet sich an. Ein kurzer Grat und schon stehen wir beim stählernen Kreuz. Das wurde erst nach langer Arbeit fertiggestellt, wie ein Gedicht im Gipfelbuch bezeugt.

Das Birnhorn (2.634m)

Das Kuchlhorn (2.500m)


Ein kurzer Klettersteig bringt uns wieder zurück zur Hütte. Die Fotokamera bleibt am Berg. Nicht einmal das stört heute. Im Hotel wartet ein italienischer Abend. Bello, bello impossibile! Pana Cotta ist die letzte Süßspeise des Abends. Die Sonne beleuchtet die Teufelslöcher am Hochkönig. Morgen werden wir das von einer anderen Perspektive sehen. Morgen wird es noch prominenter. Ein Angriff auf die Top 10.

Gute Nacht Hochkönig, Gute Nacht Welt.






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