Hochkönig Tagebuch #1: Berge und die wirklich wichtigen Dinge im Leben



























Steil schlängelt sich die Straße hoch zum Dientener Sattel. Ein richtiger "Wadlbeißer" würden die ambitionierten Radfahrer sagen. Glücklicherweise bringt uns das Auto ohne Flüssigkeitsverlust über den Pass, der unweigerlich das Tor zu einer atemberaubenden Szenerie aufstößt. Der Gipfel der Gefühle soll er sein, der Hochkönig. Zumindest, wenn es nach den ansässigen Tourismusbüros geht.

"Darf ich euch eure Hochkönig-Card überreichen?" Die freundliche Rezeptionisten darf. Das Vitalhotel Post zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht. Luxus sind wir nicht gewohnt, schon gar nicht in Verbindung mit der Anarchie der Bergwelt. Der Balkon lädt zu einem langen Blick auf das breite Felsmassiv des Hochkönigs ein. Bald werden die letzten Sonnenstrahlen die Wände in rotes Licht tauchen.

Der Sessellift quietscht, als wir uns auf seine alten Sitze niederlassen. Wir müssen wieder lächeln. Das ist so gar nicht unser Ding , der Maschine und nicht den Beinen zu vertrauen. Langsam schaukelnd bringt uns die Bahn die knapp 600 Höhenmeter hoch zur Gabühelhütte. Bald zeigt sich die Schönfeldspitze. Das Matterhorn der Berchtesgadener Alpen. Komisch, irgendwie will jede Region ein Matterhorn haben.

Aus einem Kaffee auf der Hütte wird nichts. Sie sperrt zu, nachdem die Bahn ihre letzte Bergfahrt absolviert hat. Wir lachen wieder. Richtiger Tourismus hier oben. Die Blumen sprießen aus dem trockenen Boden, die Sonne zeigt sich auch nach 17.00 Uhr noch erbarmungslos. Der Wind weht die Hitze einige Sekunden sanft davon.

Eine Woche lang dürfen wir ohne Hast dieses Ambiente genießen. Die Berge, das Tal, die Menschen, regionale Köstlichkeiten. Das Farbenspiel der Natur, spannende Momente, interessante Gespräche, Glücksseligkeit.

Stell dir nur mal vor, du hättest niemanden mit dem du diese Eindrücke teilen könntest. Allein sein ist schön. Allein in die Berge gehen auch. Doch Erlebnisse zu teilen, ist noch schöner.

 Es gibt nicht viel wichtigere Dinge in einem Leben. Kein Geld, keine Macht und auch kein Berg können das ersetzen. Freundschaft ist ein kostbares Gut. Wir sollten damit nicht verschwenderisch umgehen.

Wir laufen den Wanderweg bergab. Wenig später müssen wir uns zwischen Roast Beef und Spargelrisotto entscheiden. Welche Gabel ist nochmal die für die Vorspeise?

Auf der Erichhütte am Hochkönig brennt noch Licht. Was die wohl noch zu bereden haben? Die Nacht ist warm, die Sterne und einige wenige Straßenlampen beleuchten Dienten. Unser Zuhause für die nächsten sieben Tage.

Gute Nacht, Hochkönig. Gute Nacht, Welt.

Eine kleine Kapelle vor dem gewaltigen Massiv des Hochkönigs
Die Hochkönig-Karte vor dem Selbhorn
Ein Rückblick

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