22. August 2015: Knapp, aber doch: Matterhorn (4.478m) via Hörnligrat (III)



Matterhorn (4.478m)
Bericht & Fotos: Moritz Mayer
Höhenmeter: 3.000












Es war circa 14:00 Uhr als ich in Täsch angekommen war. Am Vormittag war ich ja noch am Lagginhorn unterwegs und somit schon etwas müde. Die nächste Herausforderung bestand nun darin nach Zermatt zu kommen. Und dies ist gar nicht so einfach, da Zermatt ja bekanntlich autofrei ist. Also parkte ich mein Auto in einer der vielen Parkgaragen von Täsch. Ich habe mir die Park-Institution Schaller ausgesucht, welche wohl die billigsten Preise dort hat. Für drei Tage (zwei Nächte) zahlte ich 16 CHF Parkgebühren. Anschließend packte ich noch meine Alpin-Utensilien für eine Matterhorn-Besteigung zusammen und nahm gemeinsam mit einigen Touristen in einem Taxi-Bus (10 CHF) Platz um wenige Minuten später in Zermatt anzukommen. (Es würde auch einen Zug von Täsch nach Zermatt geben der 8,40 CHF kosten würde.)

In Zermatt deponierte ich erstmals meine Sachen in der Bahnhofstraße und bewunderte anschließend die vielen Shops und Restaurants die wirklich alles hatten, was man sich als Bergsteiger nur wünschen konnte. Zufällig war am nächsten Tag auch der Matterhorn-Ultraks und somit waren heute bereits viele internationale Trailrunner auf den Straßen von Zermatt unterwegs.
In der Bahnhofstraße

Welcome to Matterhorn-Ultraks!

Anschließend erblickte ich zum ersten Mal in meinem Leben das Matterhorn (4.478m) live. Ein wirklich beeindruckender Berg! Frisch verschneit blickte es in Richtung Zermatt herunter und ließ mich in Ehrfurcht erstarren. Am Vormittag hatte ich bereits auf der Hörnlihütte angerufen und nach den Bedingungen am Matterhorn gefragt. Als Antwort hatte ich bekommen, dass momentan keinerlei einheimische Bergführer unterwegs sind und dass seit einer Woche kein Mensch mehr am Gipfel war. Also sehr schwierige Verhältnisse am Hörnligrat, welche meine Gipfel-Ambitionen gegen null gehen ließen. Dennoch wollte ich es probieren, allerdings unter der Bedingung, dass ich bald genug umdrehen würde, falls etwas dort oben nicht nach meinen Vorstellungen passieren würde. Da ich das Ganze noch dazu als Tagestour von Zermatt aus durchziehen wollte, war bereits jetzt klar dass ich sehr bald starten müsste um genug Zeit zu haben.
Das Objekt der Begierde!


In Zermatt erinnert sehr vieles an das Matterhorn. Es  ist längst eine Marke  und somit trägt fast jedes Gebäude irgendwo den Namen dieses Mythos-Berges. Auch auf den Straßen findet man Schilder der Erstbesteiger und auf dem Zermatter Friedhof regieren die Gräber der verunglückten Bergsteiger.
Zahlreiche Tafeln und Schilder die an das Matterhorn erinnern

Auch am Friedhof findet man viel Matterhorn-Opfer

Am Abend ging es dann früh in die Federn, da am nächsten Tag bereits um 2:00 Uhr morgens der Wecker klingeln sollte. Also versuchte ich bereits um 19:00 Uhr zu schlafen, jedoch konnte ich durch die extreme Nervosität lange nicht einschlafen und lag hellwach da. Um Punkt 2:00 Uhr klingelte der Wecker und ich saß im „Bett“. Kurze Zeit später fand ich mich auf den nächtlichen Straßen Zermatts wieder. Während die letzten touristischen Nachtschwärmer gerade nach Hause gingen, befand ich mich bereits am Weg zur Hörnlihütte (3.260m), welche mein erstes Zwischenziel sein sollte. Doch zuvor musste ich erstmal die gut 1.000 Höhenmeter zur Schwarzsee-Bergstation (2.583m) zurücklegen. In dunkelster Nacht bewegte ich mich nur mit dem schmalen Lichtkegel meiner Stirnlampe vorwärts. Unten im Tal leuchteten die Lichter von Zermatt und links und rechts von mir reflektierten immer wieder die grünen Augen von Gämsen, Steinböcken und Schafen.

Dann erreichte ich endlich die Bergstation der Schwarzsee-Seilbahn. Nun waren es noch gut 700 Höhenmeter zur Hörnlihütte (3.260m) und ich sah bereits die ersten Stirnlampen am Anfang des Hörnligrates herab leuchten. Da die Dunkelheit mein Orientierungsvermögen ziemlich einschränkte und mich zugleich eine Baustelle verwirrte, verirrte ich mich kurz vorm Hirli (2.889m) und lief in die falsche Richtung (Matterhorn-Glacier-Trail). Als ich bemerkte, dass ich falsch war, sprintete ich mit einer Wut im Bauch wieder zurück und fand nach circa 15 Minuten wieder den richtigen Weg.
Bei der Schwarzsee-Bergstation

Um circa 5:45 Uhr erreichte ich dann endlich die Hörnlihütte auf 3.260 Metern. Es hatte schon leicht zu dämmern begonnen und viele „Hüttenschläfer“ warteten auf der Hüttenterrasse auf den Sonnenaufgang. Ich stärkte mich anschließend auch mit Cola, Apfelsaft und einer Packung Toblerone und bestaunte die unverwechselbare Zermatter-Skyline beim Erwachen.
Das Horu!

Das Wallis erwacht abermals


Um 6:25 Uhr erreichte ich dann den Einstieg des Hörnligrates. Hier deponierte ich meine Stecken und kletterte über die erste Steilstufe, welche mit Fixseilen versichert ist. Danach folgten noch einige Stellen im zweiten (II) Schwierigkeitsbereich, ehe es auf der Ostseite des Grates weiter auf schwach ausgetretenen Wegen ging. Bereits hier war eine geschlossene Schneedecke und somit konnte ich den Spuren meiner Vorgänger folgen. Der Gipfel des 4.478 Meter hohen Matterhorns war bereits in der Sonne und das Wallis erwachte abermals. Dufourspitze, Zinalrothorn, Dom, Weisshorn... ach, ich könnte ewig so weitermachen.
Ab jetzt gehts los!

Unglaubliches Panorama


Nachdem ich die ersten drei Couloire überwunden hatte und etliche Kletterstellen im oberen zweiten Grad, stand ich direkt auf dem Grat auf einem Turm. Kurz davor helfen noch einmal Fixseile um leichter nach oben zu gelangen. Trotz der guten Spuren habe ich mich bis zu diesem Zeitpunkt schon einmal verlaufen gehabt und bin zu weit in die Ostwand gequert. Also für eine eigene Matterhorn-Besteigung unbedingt gut im Internet recherchieren, da die Wegfindung im unteren Bereich äußerst schwierig ist!
Die Sonne kommt in die Ostwand


Tiefblicke zur Hörnlihütte

Sonne!

Zinalrothorn und Co!

Nun ging es wieder leichter ,aber sehr ausgesetzt und steil, weiter nach oben. Man klettert hier eigentlich immer in der Ostwand und nicht direkt am Grat. Kurz vor dem „Faulen-Eck“ begegnete ich den ersten Bergsteigern die gerade am Abstieg waren. Sie meinten in gebrochenem Englisch , dass sie den Gipfel nicht erreicht hatten, da sie zu müde waren und es einfach zu viel Schnee oben hatte. Auch die nächsten ,denen ich kurze Zeit später begegnete, berichteten ähnliches und meinten das auf der Solvayhütte (4.003m) letzte Nacht acht Personen geschlafen hätten und nur zwei probierten es heute weiter auf den Gipfel.
Eine wirklich beeindruckende Pyramide

Schönes Wallis!

Nach dem „Faulen-Eck“ erfolgten die ersten Schlüsselstellen kurz unter der Solvayhütte (4.003m). Die erste ist das sogenannte Gebiss, welches eine sehr ausgesetzte Steilstufe im oberen zweiten Grad ist. Kurz danach folgt dann auch schon die untere Moseleyplatte, die mit III- angegeben ist. Diese fand ich persönlich aber nicht so schwer und wenig später erreichte ich auch schon die Solvayhütte auf 4.003 Metern. Hier machte ich eine kurze Pause und begegnete zwei Spaniern. Sie meinten, dass in wenigen Stunden das Wetter umschlagen könnte. Da aber für mich weit und breit keine Anzeichen von schlechtem Wetter zu sehen waren, kletterte ich links hinter die Hütte die Obere Moseleyplatte (III-) empor.
Dort oben wartete bereits die Solvayhütte

Bergsteiger in der Unteren Moseleyplatte

Solvayhütte (4.003m)

Die kurze Querung zur Oberen Moseleyplatte

Ab nun wurde es sehr anstrengend und mein Tempo verminderte sich rapide. Die Höhe war für mich hier schon deutlich zu spüren und die Spur war auch nicht mehr wirklich gut. Hier waren wohl in den letzten Tagen wirklich nur ganz wenige Leute unterwegs. Nach einer weiteren Stunde (seit Solvayhütte) erreichte ich die Schulter auf circa 4.200 Meter. Hier konnte ich schon auf den Gipfelgrat sehen, in dem einige Fixseile hingen. Wenig später begegnete ich einer Zweierseilschaft, die gerade im Abstieg war. Das waren die zwei, die auch auf der Solvayhütte geschlafen hatten. Sie meinten, dass sie einfach zu erschöpft wären und nichts mehr riskieren wollen, aber das Wetter sicher nicht so schnell umschlagen würde. Ein kleiner Stein fiel mir von Herzen, da ich ab nun realisierte, dass ich es eventuell zum Gipfel schaffen könnte.
Kurz vor der Schulter

An der Schulter angelangt

Mit fantastischen Tiefblicken

Doch nun folgte erstmals der Gipfelgrat, welcher es wirklich in sich hatte. Es hängen zwar überall Fixseile am Grat, aber dennoch ist das Hinaufziehen an denen so extrem anstrengend, dass ich mehrmals ans Aufgeben dachte. Dort muss man sich nämlich über teils überhängende Felspassagen auf dicken, schwer zu greifenden Stoffseilen hochziehen. Ich hatte zuvor schon ein paar Mal gelesen gehabt, dass dies anscheinend so anstrengend war, aber dass es dann wirklich so kommen würde und so extrem stark sei hätte ich nicht gedacht.

Am Gipfelgrat hängen nochmal viele Fixseile

Dann war ich am „Unteren Dach“ angelangt und es waren nur noch wenige Höhenmeter zum Gipfel. Plötzlich sah ich, dass kurz vor mir eine Zweier- Seilschaft ist, welche gerade den Gipfel erreicht hatte. Ich war überglücklich, dass ich es schaffen würde.
Wenige Meter vorm Gipfel

Dann war es soweit. Nach 4:30 Stunden im Hörnligrat stand ich am Gipfel des Matterhorns (4.478m). Vor mir nur eine Seilschaft ,die gerade zum italienischen Gipfel rüberstapfte. Ein Traum war wahr geworden und ich ließ mich am Schweizer Gipfel in den tiefen Schnee fallen. Als ich wenig später etwas gegessen hatte, sah ich gerade zwei Personen die über den Liongrat den italienischen Gipfel erreicht hatten. Wahnsinn! Bei diesen Bedingungen echt eine irre Leistung. Wenig später waren die beiden dann auch schon bei mir am Schweizer Gipfel und wir gratulierten uns gegenseitig. Dann bemerkte ich, dass meine Wasservorräte nun endgültig aufgebraucht waren. 
Summit!


Unglaubliches Panorama




Nun wusste ich, dass der Abstieg extrem hart und kräfteraubend werden würde. Beim Abstieg bis zur Solvayhütte (4.003m) musste ich fast alle 10 Höhenmeter stehenbleiben, um meine Lunge wieder mit Sauerstoff zu füllen. Als ich nach langen drei Stunden wieder bei der Solvayhütte war, machte ich eine längere Pause und trank Apfelsaft , der wahrscheinlich schon über zwei Wochen in der Hütte in einer Ecke lag. Dann erfolgte der weitere Abstieg in Richtung Hörnlihütte. Hier hängte ich mich bei einem französischen Bergführer an ,welcher seinen Gast immer wieder abseilte und somit nicht allzu schnell unterwegs war. Kurz vor der Hörnlihütte bekam ich dann noch einmal extreme Kopfschmerzen und mir wurde sehr übel. Der Flüssigkeitsentzug machte sich immer mehr bemerkbar und wenig später verkrampften sich dann auch immer wieder meine Finger.

Dann nach fast sechs Stunden im Abstieg hatte ich es endlich geschafft. Die Hörnlihütte war erreicht und ich konnte endlich meine Vorräte wieder auffüllen. Ich war überglücklich und stolz. Nun konnten sich auch meine Familie und Angehörigen, die mitgefiebert hatten, wieder entspannen und wussten, dass ich wieder in Sicherheit war.

Endlich ist der lange Abstieg geschafft

Jetzt mussten nur noch die restlichen 1.700 Höhenmeter nach Zermatt abgestiegen werden. Beim Abstieg über die leichten Wanderwege sah ich noch zu wie sich das Matterhorn wieder in Wolken hüllte und die Sonne langsam unterging. Um kurz nach 20:00 Uhr erreichte ich nach 18 Stunden auf den Beinen wieder Zermatt und war überglücklich, dass ich diesen Berg von meiner Liste streichen kann.
Goodbye Wallis

Das Matterhorn hüllt sich in Wolken



Schon bald bin ich wieder in Zermatt

Am nächsten Tag trat ich dann wieder die lange Heimreise an. Kurz zuvor traf ich noch meine zwei Spanier von der Solvayhütte, die meinten, dass es auf der Hörnlihütte (3.260m) schon wieder schneit.
Also auch in den nächsten Tagen schlechte Horu-Bedingungen!

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Mehr über Gabriel Egger:

Kommentare:

  1. Glück gehabt, dass jemand seinen Apfelsaft stehen gelassen hat... ohne was zu trinken ist schon hart...

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  2. Hallo Gabriel, sensationelle Leistung ganz allein, kann dir nur gratulieren - war damals 19 (wir waren aber zu zweit), die Bedingungen waren ganz ähnlich - aber wir haben uns mehr Zeit gelassen und beim Abstieg zur Hörnlihütte dichten Schneefall - lg Peter

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  3. Hallo Peter, Vielen Dank für die Glückwünsche! Ein kleiner Fehler ist dir allerdings unterlaufen: Mein Name ist Moritz und nicht Gabriel.

    Schöne Grüße!

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  4. Glückwunsch Moritz zu dieser Mammutleistung!
    Darf ich fragen, wieviel zu Trinken du dabei hättest?
    Hast du dich an den Fixseilen noch selbst gesichert?
    Interessiere mich selbst für den Hörnligrat, aber es graut mir vor der unruhigen Massenabfertigung in der Hörnlihütte.
    Mit dem MTB könnte man zum Schwarzsee vor allem runter dann noch deutlich Zeit einsparen.
    Schöne Grüße
    Daniel

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