05. September 2015: Licht und Schatten am Wächter des Salzkammergutes


Von Gabriel Egger



 05. September 2015- 06. September 2015

Beginn 17.30 Uhr, Parkplatz Ostufer

Ende 17.30 Uhr, Traunstein-Gipfel

Gmunden am Traunsee

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Die Wege sind steil, das Gelände ist ruppig und für den Aufstieg werden oft viele Stunden benötigt: Den meisten Menschen reicht es schon, nur einmal auf den 1.691 Meter hohen Traunstein zu steigen. Seine weithin sichtbare Silhouette, die Autofahrer bei der Durchreise, wie Wanderer im Salzkammergut gleichermaßen beglückt, hat den Berg zu einem Wahrzeichen des Bundeslandes gemacht, ihm eine mystische Aura auferlegt. Trotz der vielen Bergsteiger, die sich vor allem im Sommer über Stahlseile, Trittstifte, schroffen Fels und ein dichtes  Latschenmeer auf den Gipfel kämpfen, ist der Traunstein ein Berg geblieben, der immer wieder für Überraschungen sorgt. Positiv, wie auch negativ.

Den Respekt, den er verlangt, werden auch wir ihm am 5. September entgegenbringen. Und das gleich sieben Mal. An jenem Samstag im neunten Monat des Jahres, noch vor der Tagundnachtgleiche, wollen wir versuchen den Berg über jeden "bekannten" Weg innerhalb von 24 Stunden zu erklimmen.


"Die Selbstinszenierung übersteigt das erträgliche Maß"


Nur warum? Aus Langeweile, weil auf den Badeseen im Sommer dosenfischartige Verhältnisse herrschen und uns dort die Luft wegbleibt? Oder weil wir glauben, dass uns jungen Hüpfern ohnehin niemand das Wasser reichen kann? Sind wir mit den vielen schönen Touren größenwahnsinnig geworden, oder wollen wir uns einfach inszenieren?

Selbstinszenierung ist ein Faktor in unserem jungen "Blogger-Leben", der uns immer wieder und in jüngster Vergangenheit immer öfter vorgeworfen wird. Zu oft würden wir zeigen wollen, wer der Herr im alpinen Haus Oberösterreich sei und zu oft würden wir uns an unseren eigenen Leistungen virtuell ergötzen. Natürlich sind wir stolz darauf einen Weg gefunden zu haben, der uns erfüllt und den wir in den letzten Jahren von einem schmalen Streifen zu einer rasanten Autobahn ausbauen konnten ,die nun viele andere Menschen mit uns befahren. Das zeigen wir  gerne und das zeigen wir auch oft. Wir sind keine Extrem-Bergsteiger, Steilwand-Kletterer, Ultrauniversal-Läufer oder Herminators der Skitourenszene. Davon sind wir weit entfernt. Mit unseren sportlichen Leistungen sind wir aber dennoch sehr zufrieden.

Was uns aber täglich antreibt, ist nicht der Wunsch nach ein paar hochgestreckten Daumen und Anerkennungen, oder das Ziel  in irgendeinem Sportbereich zu triumphieren, sondern unsere eigene Begeisterung, die sich nur recht schwer eindämmen lässt. Das Spiel mit dem eigenen Körper und seinen Grenzen, die Gemeinsamkeit inmitten einer unwirtlichen Umgebung, das Kreeiren von neuen Ideen und das Wachsen an Herausforderungen machen uns soviel Spaß, dass sich diese Freude manchmal in recht übertriebenen, wortgewaltigen Berichten, in einer Bilderflut oder in manch keckem Spruch entlädt. Jemand anderen übertrumpfen zu wollen, oder jemanden zu belächeln, liegt uns ebenso fern, wie die Abwertung anderer alpiner Herausforderungen. Jeder Gang ins Gebirge ist ein wertvolles Erlebnis. Sei es eine einfache Wanderung auf eine Hütte, ein Lauf auf eine Alm, eine schwere Klettertour oder ein riskantes Skierlebnis.

Wir wollen begeistern, anstecken, Neugier wecken. Wir wollen Dinge erlebbar machen und wir wollen zeigen, dass es sich lohnt gesellschaftlichen Normen zu entfliehen um zu sich selbst zu finden.
Das Maß an Selbstpräsentation mag voll sein, doch riskieren wir gerne eine Überflutung um unseren Enthusiasmus weiterhin zu teilen. Ja, wir provozieren dieses inszenierte Hochwasser sogar.  Wir bleiben aber was wir sind: ambitionierte, leidenschaftliche Bergsteiger, die über ihre Erlebnisse berichten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Sieben mal zwei macht vierundzwanzig


Und warum, abgesehen von den philosophischen Gefühlsausbrüchen? Weil wir den Traunstein kennen, den Berg schätzen und weil er Unglaubliches zu bieten hat. Am 5. September wollen wir unsere mentalen und körperlichen Stärken testen, 24 Stunden lang mit der alpinen Szenerie in Kontakt stehen, mit den Felsen verschmelzen und die Natur ohne Schutzhülle fühlen um hinterher neben zahlreichen Krämpfen auch ein unbändiges Glücksgefühl zu spüren. 
Wir wollen zeigen: Intensiv leben zahlt sich aus.

Zu zweit werden Moritz und ich  am 05. September 2015 um 17.30 Uhr über den Zierlersteig das erste Mal auf den Gipfel steigen. Innerhalb von 24 Stunden soll über jeden  der sieben "bekannten" Wege aufgestiegen werden. Die markierten Wege werden dabei vorrangig in der Nacht absolviert, die unmarkierten, teils klettertechnisch anspruchsvolleren Routen bei Tageslicht.  Das heißt:

Zierlersteig (II), leichte Kletterei über die Zierlerinne
Hernlersteig, markierter  und versicherter Normalweg (A/B)

Mairalmsteig, markierter und "leichtester"Normalweg

Südgrat, leichte Kletterei oberhalb der Mairalm (II-III)
Naturfreundesteig, markierter und oft begangener Normalweg (A/B)
Ostgrat, unmarkierter, teils sehr ausgesetzter Anstieg von der Hohen Scharte aus (II+)

Anstieg über das Kamp, unmarkierter Weg vom Laudachsee mit leichten Kletterstellen (I-II)

Dass wir mit einer 24-Stunden Aktion am Traunstein keine Pioniere sind, ist uns bewusst. Den vorerst letzten Eintrag in der Extrem-Akte des Salzkammergutwächters gab es vor etwa 10 Jahren. Rene Steinpatzer gelang es damals zehn Mal über den Naturfreundesteig auf- und über den Mairalmsteig abzusteigen. Unser Ziel ist es , bei jedem Anstieg auch den Gipfel zu erreichen.


Unterstützt werden wir dabei vom Salewa Store Linz, der erkannte, dass leidenschaftlichen Sportlern im alpinen Bereich auch ohne große Profi-Erfolge unter die Arme gegriffen werden sollte um Feuer zu entfachen, und unserem Ausstatter für das Jahr 2015 Dynafit Austria.

Informationen zum für uns wichtigsten und anspruchsvollsten Projekt des Jahren folgen laufend auf unserem Blog unter der Sparte "24 Stunden", sowie auf unserer Facebook-Seite.


Im Sinne der Bergrettung wollen wir anmerken: Das ist keine Veranstaltung. Wir werden auch niemanden 24 Stunden lang mitnehmen und wollen auch auf den unmarkierten Wegen keine Begleitung. 


Wir würden uns freuen, viele bekannte Gesichter und auch unbekannte Unterstützer auf dem Berg anzutreffen um die Kraft aufzubringen uns auch wirklich 24 Stunden lang durchs Gelände zu kämpfen!

















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Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Toller Text! Auch der Teil zur Selbstinszenierung finde ich passend, weil einfach das Thema in einem Blog automatisch aufkommt, meiner Meinung nach.
    Ein wenig Selbstinszenierung find ich, gehört auch dazu und ist dann auch nicht negativ zu sehen. Denn wie sagte bereits Paracelsus: Dosis sola venenum facit.

    Nur vereinzelt find ich, dass ihr hart an der Grenze seid, wobei eher ward mit mancher Aktion. Und heute noch, wenn ihr nackert auf den Fotos herumlaufts/kraxelts. Das find ich nicht notwendig.

    Trotz diesem kleinen Manko (kaum zu sehen) ein Lob für den tollen Blog.
    Das Layout könnte evtl. noch etwas professionalisiert werden.
    Aber jetzt Schluss mit der Kritik (hoffe doch, dass sie konstruktiv gesehen wird) und zurück am Berg, er ruft.

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