"Komm, gehen wir zum Harry": Das Prielschutzhaus und sein engagierter Herr









Text von Gabriel Egger
Bilder von Moritz Mayer










Weltcuport, Wandermetropole und seit Kurzem auch Preisträger in Sachen sanfte Mobilität: Die 900 Seelen umfassende Gemeinde Hinterstoder im oberösterreichischen Traunviertel ist schon lange nicht nur mehr das charismatische Gebirgsdorf, das mit traditionellen Werten besticht. Als Mitglied der Alpine Pearls setzt man sich für umweltfreundlichen und nachhaltigen Tourismus ein, das Alpineum im Ortszentrum arbeitet die eigene Vergangenheit museal auf und verbindet sie künstlerisch mit der Gegenwart.  Während sich manche Besucher im Gastgarten der urigen Dorfstub'n mit lukullischer Hausmannskost verwöhnen lassen und sich an einem Blick auf die umliegenden Bergriesen erfreuen, tauchen andere nur etwa 800 Meter oberhalb in den Flair der Ostalpen ein, der an so manchen Tagen durchaus westlicher wirkt, als man glauben würde.

Der Klinserfall
Nur wenige Kilometer außerhalb des Ortszentrums führen Wege vom Johannishof oder von der Polsterlucke, hinauf  aufs Karstplateau des Toten Gebirges. Vorbei am Gasthof Polsterlucke, der mit seinen eleganten Pferden für die erste wildromantische Begegnung sorgt, geht es vorerst nur sanft steigend talauswärts. Schon bald bleibt der Begeher ruckartig stehen, denn die formschöne Gestalt der Spitzmauer rückt unweigerlich ins Blickfeld und sorgt für allgemeine Begeisterung. Nicht umsonst wird sie als Matterhorn der Ostalpen bezeichnet. Der Klinserfall lädt an heißen Tagen zu einer Rast und einem öffentlichen Bad ein, sowie wenige Meter oberhalb das "Gott sei Dank- Bankerl", das mit seinem Namen die Gedanken vieler Wanderer über die willkommene Sitzgelegenheit widerspiegelt.

Das Licht bricht durch den Wald, durch den der restliche Weg verläuft, und lässt die Blätter in den schönsten Farben glänzen. Zwischen dem Blattwerk lugt der selten erstiegene Ostrawitz hervor, in der Luft liegt hölzerner Duft. Man möge meinen die Gebrüder Grimm haben sich zu Lebzeiten hier niedergelassen, so inspirierend wirkt die Märchenwiese, die auf 1.190 Meter gelegen, neben dem Loslassen vom alltäglichen Treiben auch zu einem ersten Blick in die gewaltige Ostwand der Spitzmauer animiert. Nur mehr wenige Meter sind wir vom nicht zu verfehlenden Ziel entfernt, das sich durch aufkommenden Nebel mittlerweile nicht mehr ausmachen lässt.  Jahr für Jahr betreten tausende Menschen die große Terrasse des Prielschutzhauses  auf 1.420 Meter Seehöhe und erfreuen sich an der Szenerie. Der höchste Berg der gesamten Gebirgskette, der 2.515 Meter hohe Große Priel, ist von hier zu bestaunen, die Holzbänke und Liegestühle laden zur Rast, die Umgebung und das Publikum  zum Verweilen ein. Neben Priel und Spitzmauer kann der Bergsportler von hier auch die gegenüberliegende Welser Hütte erreichen  oder zur Überschreitung des Toten Gebirges aufbrechen.  Dort, wo sich die verschiedensten Charaktere eine Auszeit -von Alltag, Stress und Hektik gönnen, verbringt Harald Höll den Großteil seines Lebens. Seit 8 Jahren ist "Harry", wie er vom Großteil seiner Besucher genannt wird, Herr des Hauses und damit gleichzeitig Hüttenwirt, Techniker, Wasserer, Elektriker, Holzknecht, Meterologe und Retter in der Not.


In ewiger Freundschaft mit den Bergen


Alpiner Stützpunkt Prielschutzhaus
Wir betreten die große Hütte, die den Namen "Haus" nicht zu Unrecht trägt und sich dennoch perfekt in die Landschaft eingliedert. Gleich neben dem Haupteingang wird fleißig gearbeitet, denn der Seminarraum soll auf Vordermann gebracht werden. Bald werden hier  wieder Kursteilnehmer theoretisch und später praktisch an den alpinen Herausforderungen wachsen. Im Winter steht dieser Raum den Alpinisten als Nächtigungsmöglichkeit zur Verfügung. Der Hüttenwirt selbst sorgt sich dann um ausreichende Verpflegung, die Gäste danken es mit ehrlicher Bezahlung. Durch eine kleine Gaststube, in der diverse Ausrüstunsgegenstände an den alpinen Charakter dieser Schutzhütte erinnern, gelangt man in den größten Raum , in dem sich auch die Schank befindet.Harry lädt uns auf den kleinen Ecktisch in der Küche ein. Das Wetter soll wieder schlecht werden, was über 2.000 Meter auch im Mai einsetzenden Schneefall bedeuten kann, somit sind wir am heutigen Tag die einzigen Nächtiger und sollen nicht allein auf weiter Flur sitzen. Harry wirkt wie ein gestandener Wirt, als hätte er sich schon in der Vergangenheit auf die Gastronomie spezialisiert. Das stimmt nur bedingt.



Hüttenwirt Harry Höll und sein "Baby"
16 Jahre lang hat Höll als hauptberuflicher Bergführer sein Geld verdient. Drei Sommer lang war er dabei auf der Simonyhütte am Dachstein stationiert: "Tagsüber habe ich meine Gäste unter anderem auf den Dachstein geführt, am Abend hab ich dann in der Hütte mitgeholfen" erinnert sich der 40-Jährige an seine ersten Erfahrungen mit dem Hüttenleben. Im Winter brachte er seinen Schützlingen als Skilehrer die richtigen Schwünge bei, um gefahrlos den Hang hinabsausen zu können.  Seine Kindheit und Jugend verbrachte Harry in Obertraun, wo er schon im frühen Kindesalter mit den Bergen in Berührung kam.  Später übernahm Höll auch bei den großen Schnee- und Eisbergen  oft die Führung. "Am Aconcagua in Südamerika hat der Wind die Eiskristalle herumgewirbelt, und kurz darauf auch einen Gast. Passiert ist ihm glücklicherweise nichts. Das werde ich nie vergessen" sagt Harry und erzählt auch vom nordamerikanischen Mount Mc Kinley, den er mit seinen Alpinisten bei arktischen Temperaturen damals als einzige Gruppe erreichen durfte.  In Patagonien hat sich der Bergsportler an Erstbegehungen versucht, die Eiger-Nordwand konnte er wegen Schlechtwetters nicht durchsteigen. Im Yosemite-Nationalpark in Kalifornien kletterte er am berühmten "El Capitain".

Auch, oder gerade weil er schon so viel gesehen hat- ein Lieblingsgebiet hat Höll nicht.  "Die ganze Welt ist so schön, es wäre schade, sich für etwas entscheiden zu müssen" sagt er und weiß ob der aktuellen Probleme der Bergführerei. "Es ist zu begrüßen, dass es an jeder Ecke Weiterbildung gibt. Die ganzen Schnellkurse für Instruktoren  bringen die Bergführer natürlich unter Zugzwang. Die müssen sich dann um die Randsachen kümmern, um die gefährlichen Geschichten" berichtet Harry. Weil er nicht mehr aus dem Rucksack leben wollte, hat er eine neue Herausforderung gesucht. "Wenn du merkst, dass da ein bisschen was nicht mehr passt, musst du auf dein Gefühl hören" erklärt Harald seine Entscheidung. Mittlerweile ist der Obertrauner stolzer Familienvater  und glücklich verheiratet. "Da ändern sich die Prioritäten ohnehin. Die Familie kommt immer an erster Stelle" sagt er.  Im Winter aber freut sich Höll weiterhin als Bergführer Schneeschuh und Skitouren anbieten zu können.  Viel Vorbereitungszeit bleibt dafür künftig nicht mehr, will er doch die Öffnungszeiten seines "Babys", wie er das Prielschutzhaus liebevoll nennt, ausweiten.

80 Schweinsbraten inklusive Getränken in 13 Minuten



Rundum sauber
Statt den aktuellen sieben Monaten, will er mit seinen sieben Mitarbeitern dann neun Monate geöffnet haben. Im Winter ist der März ein Thema, im November soll es an den Wochenenden für die Gäste eine von Gabis leckeren Mehlspeisen geben. Zu Silvester kann man dann an einer Fackelwanderung auf den hüttennahen Bloßkogelgipfel, dem Berg auf dem das Haus steht, teilnehmen. "Man darf den Bloßkogel nicht unterschätzen, der Ausblick ist fantastisch" lacht Höll, der dem höchsten Punkt eigenhändig ein Holzkreuz verpasst hat.

Die Tür öffnet sich und ein junger Mann betritt freundlich die Küche. "Wollt ihr noch was essen?" fragt er und hat sich schon das Geschirr gerichtet. Thomas ist seit drei Jahren Koch am Prielschutzhaus. Der Ungar, der perfekt Deutsch spricht, gehört neben Gabi Perner zu den Vertrauenspersonen von Harry, denen er sein "Baby" anvertraut, wenn er einmal wieder den Gang ins Tal antritt. Wenn im Sommer ambitionierte Bergsportler, Kletterer, Wanderer und Familien die 150 Schlafplätze auffüllen, hat Thomas alle Hände voll zu tun. Am stärksten Tag gingen gar 1.000 Essen über die Theke. 80 Schweinsbraten inklusive Getränke waren es in 13 Minuten. Ein absoluter Schutzhaus-Rekord. Im Schnitt nutzen in der Saison rund 5.000 Personen die großzügigen Räumlichkeiten. Im Frühjahr wurden auch die Waschräume erneuert und glänzen wie die Glatze von Meister Proper. Nach schweißtreibenden Überschreitungen, schwierigen Klettertouren oder nach einem Tag in der Sonne auf der Terrasse, können sich die Besucher über eine erfrischende Dusche freuen. Die hütteneigene Materialseilbahn bringt nicht nur zwei Mal in der Woche frische Verpflegung, sondern auch bei Bedarf die Rucksäcke der Wanderer zum Ausgangspunkt für zahlreiche Touren.

Hüttenkoch Thomas bereitet ein köstliches Schnitzel zu


"Wir sind hier keine Arbeitskollegen, die sich dulden. Wir sind alle gute Freunde, sonst schaffst du das nicht. Das ist ja wie die Maus in der Schachtel" erklärt Harry das Zusammenleben auf einer Berghütte. Teamfähigkeit und Geduld seien dabei die wichtigsten Aspekte. Seine Besucher bezeichnet der Wirt als sehr tolerant und pflegeleicht. Nur ganz selten muss er sich um unangenehme Probleme kümmern. Mit den dreckigen Bergschuhen durch die gesamte Hütte laufen, das mag Höll zum Beispiel überhaupt nicht. "Nur wer sauber arbeitet, kann gut arbeiten" erklärt er seinen Standpunkt. Und arbeiten muss er manchmal rund um die Uhr.

"Wenn ich Feste veranstalte, dann können es auch schon mal 24 Stunden werden" sagt er und beschreibt den typischen Tagesablauf. Während sich die Nächtiger noch die Marmelade aufs Butterbrot schmieren, wollen sich die ersten Bergsteiger schon mit Bier und Suppe den Elektrolytehaushalt aufbessern. Meistens seien das die Grazer und Wiener, die durch die lange Anreise schon früh aufsteigen. Dann mutiert das gesamte Hüttenteam schnell zu Reinigungskräften, denn bevor um 11.00 Uhr das Mittagessen auf dem Tisch stehen soll, wird das gesamte Haus auf "Hochglanz poliert". Am Nachmittag wollen Bergläufer, Ausflügler und Familien versorgt sein, bis um 17.00 Uhr die nächsten Nächtiger eintreffen. Ganz nebenbei soll Höll dann auch noch Auskünfte geben, Wettermodelle berechnen und sich um private Angelegenheiten kümmern. "Ich mach das gerne. Reden gehört definitiv zu meinen Arbeitsaufgaben. Wenn die Leute sagen: Komm gehen wir zum Harry eine schöne Zeit haben, dann bin ich zufrieden und weiß , dass ich es richtig gemacht habe" sagt Höll, der manchmal schon im April Auskunft über das Wetter im Juni geben muss.


"Wenn die Leute sagen, komm gehen wir zum Harry eine schöne Zeit haben, dann bin ich zufrieden". Hüttenwirt Harald Höll über seine Tätigkeit












Gekocht wird freitags sogar bis 21.00 Uhr um auch die Bergsteiger, die länger arbeiten müssen, verköstigen zu können. Um die Nachspeisen könnte es dann schon zu einem Gerangel kommen. "Die Kardinalschnitten werden schon vom Gipfel des Großen Priels bestellt" erzählt Harry. Die über 1.000 Meter oberhalb bestellten Mehlspeisen werden dann reserviert und in den Kühlschrank gestellt. Die wirklich schwierige Arbeit ist aber für die Besucher nicht zu sehen. Die Kläranlage muss jeden Tag kontrolliert werden, zudem auch das Diesel-Aggregat, das die Stromversorgung garantiert, wenn die Foto-Voltaik Anlage nicht ausreicht. Die Hygieneleitlinien müssen streng befolgt werden, Essen will im Tal bestellt sein und auch die Buchhaltung darf nicht zu kurz kommen. Um ordentlich einheizen zu können, muss Holz beschaffen und zerkleinert werden.

Mit dem Auto kann Harald bis zur oberen Salmeralm fahren, von der es noch rund dreißig Minuten Fußmarsch bis zur Hütte sind. "Wir haben eine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Sektion. Die setzen sich für uns ein und bewegen was" lobt Höll auch den Alpenverein und ist froh über den guten Draht zum Herzog von Württemberg, der im Besitz des Gebiets ist.  Sperrstunde ist offiziell um 23.00 Uhr. Ob es länger wird, oder nicht liege an der Auslastung. "Das bekommt man recht schnell ins Gefühl. Wenn wir ausgebucht sind und die Leute Bergsteigen wollen ist natürlich zeitig Schluss. Bei Abschlussfeiern ist das dann eine andere Sache" erklärt der Wirt.
Harry in der Küche der Hütte

Nun ist ein weiterer Gast im Haus eingetroffen. Er wirkt ausgelaugt, müde und bettreif. "Magst kalt oder warm schlafen?" fragt Harry den betagten Herren. Mit einem warmen Lagerplatz ist er zufrieden. Viele seiner Gäste kommen mehrmals im Monat. Bis zu 80 Mal in der Saison darf er sie begrüßen. Das verwundert spätestens dann nicht mehr, wenn man weiß, dass Höll sein eigens ins Leben gerufene Motto lebt. "Wandern-Klettern-Bergsteigen-Spaß haben" lautet es. Harry kümmert sich nämlich auch um den vertikalen Genuss seiner Gäste. Das Zugpferd, der "Bert Rinesch- Klettersteig" auf den Großen Priel wird von ihm auf Schäden inspiziert, zudem hat er hinter der Hütte Übungsklettersteige eingerichtet um darauf vorzubereiten. Auch Sportkletterer kommen bei zahlreichen eingebohrten Routen auf ihre Kosten, die auch immer wieder für Kurse genutzt werden. "In den letzten Jahren war ich hier nur zweimal ohne Bohrmaschine klettern" lacht Höll, der noch immer große Freude an seiner Arbeit hat. Das große Sonnwendfeuer im Juni zaubert auch ein Lächeln in die Gesichter der Jüngsten, die teilweise sogar Rekordzeiten aufstellen. Ein vierjähriges Mädchen hat sich nach nur zweieinhalb Stunden mit einem Lächeln auf die Terrasse gesetzt. Das ist die durchschnittliche Gehzeit eines Erwachsenen.

Allgemein kommen immer mehr gute Alpinisten aufs Schutzhaus. Vor allem die Frauen sieht Höll im Aufwind. "Die klettern oft den Männern um die Ohren" sagt der Allrounder, der sich immer über spannende Tourengeschichten, von denen seine Gäste erzählen, freut. Eine zunehmende Leichtsinnigkeit sieht der leidenschaftliche Gleitschirmflieger, der sich immer noch auf der gegenüberliegenden Höss seinem Zweithobby hingibt, nicht. Die meisten seiner Gäste seien ausreichend ausgerüstet und gut vorbereitet. Fehler und Probleme seien nie vermeidbar. "Wir haben früher mit den Klapperl auch geglaubt, dass wir cool sind, aber dieses Bild hat sich in der Öffentlichkeit stark zum Positiven verändert" sagt Höll. Dass es ein paar gibt, die unbedingt "Eiger-Nordwand" spielen möchten, sei ihm bewusst. Die seien aber in der Minderheit und viele davon auch erfahren. Immer wieder einen kleinen Schritt über die eigenen Grenzen zu gehen und gleichzeitig aus seinen Fehlern  zu lernen sind für Höll dennoch wichtige Aspekte des Bergsteigens. Der Mensch sei immer auf der Suche nach der Herausforderung. "Das Leben am Limit liegt im Trend" weiß der Obertrauner.


Wo sich Peter Habeler und Toni Innauer Gute Nacht sagen


Mit gutem Wein wird Hilfe geleistet
Das herrliche Schnitzel, das uns Thomas zubereitet hat, ist zur Gänze verputzt und ein Bier können wir auch nicht ablehnen. Die Hüttenabende im Schutzhaus können nämlich ganz schön lustig sein. Auch weil der Hüttenwirt wohl der Einzige in Österreich ist, der sich eine teure Ziehharmonika gekauft hat, ohne spielen zu können. "Musik gehört dazu, dass muss es einem schon wert sein" lacht Höll, während er sich gleichzeitig an einen bewegenden Moment erinnert. Bergsteigerlegende Peter Habeler hat 2012 im Prielschutzhaus seinen 70. Geburtstag gefeiert. Jede der zahlreichen Torten beschäftigte sich optisch und auch geschmacklich mit einem anderen Thema. Neben Habeler waren und  auch Skisprung-Lackel Toni Innauer geladen und der Pfarrer vom Stephansdom verwandelte die Räumlichkeiten in heilige Hallen.  "Der Peter ist ein großes Vorbild für mich. Ihn und den Fankhauser Horst (Anm. Bergführer aus dem Zillertal) kannst du schimpfen, wie du willst, die bleiben immer große Gentlemans" erzählt Höll. 120 Gäste zählte die Veranstaltung damals. Ein Tag, an den sich der eifrige Hüttenwirt gerne zurückerinnert. "Die Geschichten, die du da hörst, sind unvergleichlich" sagt er.

Wir haben ausgetrunken und verabschieden uns  von Harry, bevor wir unser Zimmer beziehen. Der Nebel hat sich verzogen und der Blick aus dem Fenster garantiert eine Mystik, die man sonst nur in der Flimmerkiste bestaunen kann. Auch der nächste Morgen bringt ein Naturschauspiel, das mit jenem des Vorabends nicht zu vergleichen ist. "Siehst du, da hast du deine Antwort" sagt Harry gut gelaunt beim Frühstück, das mit einem herzhaften Buffet keine Wünsche offen lässt. Zum Abschluss habe ich ihn gefragt, ob er den ständig monotonen Blick auf die Bergriesen überhaupt noch aushält. Wenn Harry am Morgen die Terrasse betritt und die Mauern im hellroten Licht glänzen, wenn sich zu Mittag das tiefe Blau des Himmels im halbvollen Bierglas spiegelt, wenn am Abend müde Kletterer das letzte Tageslicht mit in die Hütte nehmen und wenn bei Nacht der Vollmond auf den Prielgipfel leuchtet, weiß Harry genau wo er hingehört. "Ich brauch nur einen Schritt vor die Tür zu setzen und weiß sofort: Das bin ich" erklärt er, während er einen prüfenden Blick auf die erneut aufkommenden Nebelfetzen wirft.


Die Spitzmauer am Morgen
Während wir aus der Türe treten flitzen Gämse vorbei, die Sonne blinzelt gerade durch ein Loch in der Wolkendecke und ihre wärmenden Strahlen treffen angenehm das  müde Gesicht. Man fühlt sich hier heimisch. Nicht nur als Bergsteiger, auch als Mensch. Bevor wir uns ins Tal aufmachen, verabschieden wir uns vom Hüttenteam, das sich bereits wieder mit den Vorbereitungen für die kommende Woche beschäftigt . Das laute Klirren von Tellern verlautbart, dass auch Thomas seinen Küchendienst wieder aufgenommen hat. "Weißt du, manchmal im Winter schaut sie aus wie der K2". Harry ist noch einmal auf die Terrasse gekommen um seine "Lieblinge" zu begutachten. Damit sind freilich die Berge gemeint. "Toi Toi Toi, Burschen. Bis zum nächsten Mal!" verabschiedet sich der Hüttenwirt. Beim Abstieg  erinnere ich mich, dass auch meine Mutter diese Berge einmal sehen wollte. Wenn es wieder schön wird, rufe ich sie an und sage: "Komm Mama, gehen wir zum Harry".


Am Gipfel des Großen Priels kann schon "Westalpen-Feeling" aufkommen

"Das Tote Gebirge ist nicht tot, sagte der kleine Johannes. Am Morgen küsst es die Sonne, dann leuchtet sein Gesicht vor Freude. Am Tag kraxeln die Leute auf den Großen Priel und schauen durch die Polsterlucke. Wenn es finster wird, kuschelt es sich in den Schlafsack und schläft. Nein, das Tote Gebirge ist nicht tot, es lebt!
- Aus Hugo Schanovsky: Liebeserklärung an das Tote Gebirge 

DAS PRIELSCHUTZHAUS IM TOTEN GEBIRGE


  • 1.420 Meter Seehöhe
  • Tourenmöglichkeiten: Großer Priel, Spitzmauer, Bloßkogel
  • Bert Rinesch und Stodertaler Klettersteig, zusätzlich viele eingebohrte Klettertouren
  • Übergänge zu: Welser Hütte, Pühringerhütte
  • Durchgehend geöffnet von 22. Mai bis 26. Oktober
  • Erreichbar vom Johannhishof (1,5km vom Ortszentrum Hinterstoder) und von der Polsterlucke (3km von Hinterstoder) in etwa 2 Stunden 30 Minuten
  • Im Besitz des Alpenvereins
  • Gepachtet von Harald Höll
  • Infos unter www.prielschutzhaus.com
  • Erreichbar unter 07564/20602 und 0664/1168407
  • E-Mail: prielschutzhaus@direkt.at

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