08. April 2015: Viel Licht im Schatten: Trailrun auf "versteckte" Gipfelziele am Traunsee

1.765 Höhenmeter, 21.7 Kilometer Wegstrecke

Das Schöne liegt oft im Verborgenen

  • Großer Sonnstein (1.037m)
  • Kleiner Sonnstein (923m)
  • Baalstein (807m)
  • Geisswand (872m)
  • Farnaugupf (1.239m)
  • Lärlkogel (972m)


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Er wirft einen langen, erhabenen Schatten, als wolle er seine nächste Umgebung in ein schützendes Kokon einwickeln um sie auch am nächsten Tage in voller Blüte präsentieren zu können. Seine mächtige Südwestwand verdunkelt im schwindenden Licht die Region rund um den Traunsee und lässt sie die Magie der untergehenden Sonne spüren.  Die schroffen Felsen sehen vom Seeufer so abweisend aus, dass Soldaten des Königs schon zu Zeiten des absolutistischen Frankreichs  ein Abbild seiner unantastbaren Majestät im Kalk vermuteten. Rundherum wirken die Gipfel müde und ausgelaugt. Fast so als hätten sie den Kampf um Gleichberechtigung und Anerkennung aufgegeben, bevor er überhaupt gefochten wurde. In den Wipfeln der Bäume hallen ihre hilflosen Schreie wider, die ans Tor zum Salzkammergut prallen und mit vernichtender Geschwindigkeit verstummen. Um durch dieses Tor zu schreiten, muss man erst an ihm vorbei. Dem furchteinflößenden und doch so pittoresken Felsen, der Landeswarte des "Hoamatlandes", dem Tag und Nachtwächter des Salzkammergutes. Dem modernen Popstar der Voralpen, der sich Jahr für Jahr von seinen Groupies erobern lässt. Dem Traunstein. Dem Kapitän der Traunseeflotte. Doch hat seine Mannschaft wirklich das sinkende Schiff verlassen?

Um diese Frage zu beantworten und die unbezahlbaren Schätze aus der Heimlichkeit in die Öffentlichkeit zu transferieren, habe ich mich von der Bahn am frühen Nachmittag nach Ebensee bringen lassen. Dort schnüre ich in der Bahnhofstraße meine Berglaufschuhe und erinnere mich beim Blick auf die integrierten Gamaschen meiner Snowcross daran, dass Mitte April immer noch strikter Winter über die sanften Hügel am Westufer des Traunsees regiert. So schnell wie der Gedanke mein von der Fahrt ermüdetes Hirn erreicht hatte, so schnell war er wieder in Richtung Sonnstein davongeflogen. Der Große Sonnstein, ein Modeberg, dessen Sommerkollektion meist Massen auf seinen Gipfel treibt, ist wahrlich kein Geheimtipp, doch markiert er einen wunderbaren Startpunkt für meine ausgedehnte Runde.

Ich laufe also an der Pfarrkirche Ebensee vorbei, bringe eine lästig-steile Asphaltsteigung hinter mich und steige flugs in den Wanderweg ein. Die Kirche wird immer kleiner und ich fühle mich wie ein Adler, der über seinem Nest kreist. Der Weg ist unschwierig und völlig aper und so kann ich den "Stopp-Button" meiner Suunto Ambit3 Peak nach 32 Minuten betätigen. Außer einem Hund, der meinen penetranten Geruch scheinbar nicht leiden kann und dies mit einem bellenden Wutanfall zum Ausruck bringt, sind noch sein Frauchen und deren Freundin am 1.037 Meter hohen Aussichtsberg präsent. Beinahe ein verlassenes Bild, hoch über den Dächern der Faschingsmetropole.

Ausblick vom Großen Sonnstein
Tristes Bild am Sonnstein-Gipfel (1.037m)
Das Wetter zeigt sich als angenehmer, lauwarmer Laufkumpane, nur ab und zu beweist  der aufkommende zischende Nordwind, dass der Kampf der Jahreszeiten mitten in seiner erbitterten Endphase angelangt ist. Ich halte mich nicht lange auf und laufe, nach einem Schluck aus der isotonischen Pulle, kurz den Normalweg bergab, bevor ich mich nach rechts zum Einstieg in die "Sonnsteinüberschreitung" wende. Hier zwingt ein kurzes vereistes, aber seilversichertes Steilstück, nocheinmal zu erhöhter Vorsicht und dann kann ich es schon laufen lassen. Wenige positive Höhenmeter trennen mich noch von eine rasanten "Abfahrt" durch die aufsteilende, gespurte Schneedecke. Nach einer guten 3/4- Stunde, seit ich den ÖBB den Rücken zugekehrt habe, stehe ich am Sattel zwischen Großem und Kleinem Sonnstein. Ab hier ist auch wieder alles aper und bald habe ich  mit stetigem Blick zum Schattenspender, den erschüttert blickenden Jesus am Kreuz des 923m hohen Aussichtsgipfel erreicht.

Eine milde Regentschaft am Traunsee: Der Traunstein (1.691m)
Am Kleinen Sonnstein
Einige Minuten verweile ich und lasse meinen Blick auf die hohen Gipfel des Toten Gebirges schweifen, die mich unweigerlich an unserer Abenteuerüberschreitung aus dem vergangenen Sommer erinnern. Ohne es zu merken, nehme ich den Gegenpart zum traurigen Christus ein und strahle beim Gedanken an die damals gewonnenen Freiheiten. Einen Elektrolyt-Schub später, laufe ich auch schon wieder den Wanderweg Richtung Traunkirchen bergab und gelange zur Hauptstraße beim Sonnsteinstunnel. Diese überquere ich und laufe, begleitet von aufgebrachtem Hupen (natürlich geht es auch im Salzkammergut um jede Sekunde), bis in die Ortsmitte vom zwergisch wirkenden Traunkirchen. Die Spikes meiner Winterlaufschuhe touchieren den Asphalt und ich kann mir langsam vorstellen, wie sich eine Kuh mit ihrer bimmelnden Glocke fühlen muss. Beim Hotel Post angekommen, laufe ich links eine steile Asphaltstraße bergan, bis  die ersten Wegweiser Richtung Hochsteinalm die richtige Wegwahl attestieren. Bei angenehmer Steigung geht es nun die Forststraße entlang, bis ein weiterer Wegweiser zu den heutigen zwei Wanderschmankerln führt.

Trotz guter Beschilderung sind hier kaum Leute anzutreffen, was auch ein Blick in die Gipfelbücher bestätigt. Mit roten Punkten markiert geht es sehr steil einen Waldschlag hinauf, den der Sturm der vergangenen Tage neu dekoriert hat. Am Sattel angekommen, wende ich mich nach links und laufe zum Aussichtsfelsen des Baalsteins. Die angegebenen 872 Meter werden im Gipfelbuch auf 807 Meter korrigiert. Da wollt man sich doch glatt besser machen, als man ist. Ich raste kurz und genieße den Blick nach Gmunden und zum omipräsenten Wächter.

Blick vom Baalstein
Immerhin fast 10 Kilometer und 1.185 Höhenmeter sind bis hierher zurückzulegen
Der Gipfelbaum wird momentan heftig "umworben"
Nun geht es zur Geisswand, die sich mit einem sehr feinen Gipfelkreuz in meiner Erinnerung konserviert hat. Ein kurzes Stück muss relativ einfach abgeklettert werden, wobei hier ein Stoffseil die Schwierigkeiten auf ein Minimum beschränkt. Dann hat man die Wahl: Ein Kamin lädt zu angenehmer, aber sehr kurzer Kletterei im III. Schwierigkeitsgrad ein, während der Normalweg mit Ketten versichert über eine Steilstufe führt. Weil der Kamin mit Schnee gefüllt ist und ich nicht, wie ein zu voluminös geratener Weihnachtsmann stecken bleiben will, eile ich  kettenrasselnd wie Knecht Ruprecht gen Gipfel und bald darauf kann ich das Mini-Kreuz wieder aus nächster Nähe begutachten.

Seilversicherter Abstieg
Auf der Geisswand (872m)
War bis hierher die Wegfindung nicht sonderlich anspruchsvoll, wird es nun interessanter. Von der Geisswand führt ein gut ausgetretener Steig auf den Bergrücken, auf dem sich eine Tafel mit der Aufschrift "Zur Forststraße" befindet. Leicht steigend folgt man dem Rücken, bis die Forststraße, die zur Hochsteinalm führt, betreten wird. Hier ist es nun wichtig stur geradeaus weiterzumarschieren und die Reize der angenehmen Forststraße zu ignorieren. Ehe man sich versieht, steht man schon mitten im gemüsigen Steig zum 1.239 Meter hohen Farnaugupf, der heute alles andere als ein abenteuerliches Vergnügen ist. Der Lauf entwickelt sich schnell zu einer ausgelassenen Stapffete, zu der ich lieber nicht eingeladen worden wäre. Gäste wie Harsch, tiefer Pulverschnee und tückischer Windwurf versetzen einen auch nicht unbedingt in Feierlaune. Und so stapfe ich hoch über dem Traunsee, erst im Wald,später auf breitem Grat Richtung Gipfel.

Im Hintergrund das nächste Ziel: Der Farnaugupf
Typisches Gelände im Aufstieg
Bald erreiche ich den "Grat". Ein Rückblick
Hohe Wechten am Farnaugupf
Bevor man den tatsächlichen Gipfel erreicht, müssen noch einige Höhenmeter abgestiegen werden. Und da entdecke ich doch tatsächlich Skispuren, die von der Hochsteinalm heraufführen. Doch die falsche Jahreszeit fürs Laufen? Und im Wald wird es dann erst richtig winterlich.

Am Weg zum Gipfel
Ich erreiche den überdimensionalen Sendemasten und freue mich zumindest einen neuen Gipfel erstapft zu haben. Nun geht es im Eilzugtempo und mit dankbarer Schneeauflage einfach auf der anderen Seite geradeaus bergab, bis ich wieder auf die Forststraße treffe, der ich nur mehr wenige Höhenmeter bis zur Hochsteinalm folgen muss.

Von Weitem sichtbar: Der Mast am Farnaugupf
Nun kann man sich an die roten Punkte halten, die auf den Bäumen aufgemalt wurden und man erreicht die immer gut besuchte Hochsteinalm (907m), die im Winter mit Schlitten und im Sommer mit einem eigenen Streichelzoo begeistern kann. Ich lasse mich aber von Kaffee und Kuchen begeistern (Nein, nicht die Kletterroute in der Traunstein-Westwand, obwohl die durchaus auch für begeisternde Blicke sorgt) und raste bei lauten Gesprächen über das zukünftige Rauchergesetz, das der  "Tschickbude" Österreich nun auch endlich mal auf den nikotinhaltigen Schlips tritt.

Die Hochsteinalm im Sommer
Gemütliche Atmosphäre
Sattgehört und sattgegessen, packe ich meine sieben Sachen und will dem "Hüttengipfel", dem 972 Meter hohen Lärlkogel noch einen Besuch abstatten. Der Weg ist gut markiert und bedarf keiner sonderlich exakten Beschreibung. In kurzem Auf-und Ab geht es dem schönen Aussichtspunkt zu, der noch einmal mit schönen Blicken zur Keramikhauptstadt aufwartet. Kurz überlege ich meine Runde noch zu erweitern, entscheide mich aber für einen Downhill zum Bahnhof Traunkirchen, der mit wechselndem Terrain noch einmal ausgezeichnete Trainingsbedingungen bietet.

Der Lärlkogel
Voll freudiger Downhill-Erwartung
Zuerst über die Forststraße, später über schlammige Waldwege lasse ich meine Snowcross den Boden küssen und rase in Richtung Mühlbachberg davon. Spätestens hier zeigt sich wieder die stetige Regentschaft des Traunsteins, hat man ihn beim Laufen die gesamte Zeit im Blickfeld. Heute in besonders imposanten Farben, sodass ich den Griff zur Fotokamera gekonnt verdränge. Viel zu schnell komme ich am Bahnhof an und vertreibe mir die Zeit mit Auslaufen und Wandstudien. Schon bald soll es am Traunstein einen neuen Weg zu erkunden geben. Die Vorfreude steigt.

Ein letzter Blick ins Höllengebirge
Nach 3 Stunden und 30 Minuten beende ich mit einem gekonnten Sprung in die ÖBB meine Laufrunde und lasse mich vergnügt nach Hause chauffieren. Hier kann man noch so einiges ausweiten, und ich freue mich auf den Bergfrühling, der die Knospe meiner Motivation zur endgültigen Blüte treiben wird.

Mittlerweile ist er ja in unseren Breiten angekommen und wer sich austoben  will, dem stelle ich neben weiteren Fotos auch den GPS-Track zur Verfügung! Viel Spaß!





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