21. Dezember 2014: Warscheneck (2.388m)

1.600 Höhenmeter, 16 Kilometer Wegstrecke
Ein Spektakel im Toten Gebirge

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Einmal geht's noch an diesem in zwei unterschiedliche Wetterlagen geteilten Wochenende. Und wieder sollte der Nachmittag ausreichen um eine stattliche Tour in die Tat umzusetzen. Schon beim gestrigen Ausflug auf den Hochgrößen ist der Plan gereift, der offenen Zeller Hütte einen Besuch abzustatten um anschließend mit dem Gipfel des Warschenecks das sportliche Treiben an diesem letzten Advent die Krone aufzusetzen.

Wieder mimt Hans den Chauffeur und kutschiert uns, denn diesmal ist mein alter Freund Michael wieder einmal mit von der Partie, mit seinem fahrbaren Untersatz zum Schafferteich. Die Wolken hängen tief und Frau Holle schüttelt die letzten Reste der gestrigen Nachtwäsche aus den Polstern als wir pünktlich zu Mittag losmarschieren und so machen wir uns vorerst keine großen Hoffnungen auf einen Sonnenuntergang.

Über den gut ausgetretenen Steig erreichen wir sehr schnell die Zeller Hütte, wo uns bereits zahlreiche nach diversen Schnäpsen duftende Kollegen entgegenkommen. Wir beschließen uns kurz aufzuwärmen und auf eine mögliche Besserung zu warten, haben wir doch schon feststellen müssen, dass es ab hier auch noch ein Haufen Spurarbeit zum Gipfel wäre.

Noch hängen tiefe Wolken über dem Sengsengebirge
Die Zeller Hütte wird für eine Rast genutzt

Als wir uns die Monologe eines älteren Herren anhören, der die Adventzeit merklich zu besinnlich beendet, lässt ein Blick aus dem Fenster wieder Hoffnung aufflammen. Blitzbauer Himmel präsentiert sich über dem Karstklassiker und nur wenige Minuten später sind wir auch schon wieder an der frischen Luft um unseren Anstieg fortzusetzen. Wir wechseln uns bei der Spurarbeit ab, liegen hier doch schon an die 20-30cm Neuschnee. Bald können wir auch die ersten Blicke in die Zwischenwände genießen und wissen, dass wir heute eine Menge Wetterglück brauchen um ohne gröbere Sichtbehinderungen den Gipfel zu erreichen.

Freude kommt auf!
Unterhalb des pulvrigen Neuschnees befindet sich eine nennenswerte Eisschicht und so landen wir in abwechselnder Reihenfolge auf dem Allerwertesten. Doch angesichts der beinahe mystischen Stimmungen kann uns nichts so schnell die Laune verderben und wir passieren auch bald den Lagelsberg. Selbst Michael, der sich nur sporadisch dem Bergsport widmet, ist heute in Topform und bald können wir das "Matrosen-Kreuz" des Warschenecks erkennen.

Noch ist es ein Stück bis zum Gipfel
Die Temperaturen sinken in den Keller und bei -11 Grad erreichen wir den letzten Aufschwung. Wie gewöhnlich ist der Gipfelbereich völlig abgeblasen und ohne Schwierigkeiten stehen wir ganz kurz vor Sonnenuntergang am höchsten Punkt.

Die vereiste Oberfläche ist gut zu erkennen
Michael auf den letzten Metern
Wolken fetzen am Gipfel umher
Etwa zehn Minuten verweilen wir in Eiseskälte und beobachten wie die Natur sich künstlerisch betätigt. Immer mehr werden die Nebelschwaden in rotes Licht getaucht und plötzlich können wir auf der gegenüberliegenden Kremsmauer ein Licht am Gipfel erkennen. Durch die heutige Wintersonnenwende werden auf vielen Bergspitzen Feuer entzunden und der kürzteste Tag des Jahres verabschiedet.

Nicht nur die Feuer auf den Gipfeln brennen
Immer wieder wird der Gipfel in Wolken gehüllt
Wir verabschieden uns für dieses Jahr vom Warscheneck und laufen auf selbigem Weg wieder zurück zur Zeller Hütte, begleitet vom Rotton der untergehenden Sonne.

Der Abstieg beginnt

Auch Michael ist von den "brennenden" Stodertälern fasziniert
Leider müssen wir uns bald endgültig verabschieden
Kurz vor der Hütte müssen wir auch unsere Stirnlampen einknipsen und weil Robert und Heidi bereits zurück ins Tal gewandert sind, halten wir unsere Pause im Biwak ab. Der sehr kleine Raum ist mit einer kleinen Holzbank ausgestattet und bietet im Notfall bis zu vier Personen Platz. Jedenfalls lässt uns dieser heute über zwei Stunden nicht los und bei lustigen Gesprächen und Bier lassen wir das fantastische Wochenende Revue passieren, bevor wir in der Dunkelheit wieder zum Schafferteich absteigen.

Heute zahlt sich ein Blick ins nachfolgende Fotoalbum allemal aus!


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