3 Jahre bergaufundbergab- Ein steiniger Rückblick- Teil 2

Zum Nachlesen: Teil 1


Von Gabriel Egger

Schaffenspause oder: "Die Frau an deiner Seite"


Das neue Jahr, in das solch große alpinistische Erwartungen gesteckt wurden, begann mit einer Hiobsbotschaft: Matthias, unersetzbarer Teil unserer niedlichen Gruppierung, hatte sich bei seinem Zweithobby, dem Werfen von Körben in der österreichischen Basketball-Landesliga, eine Verletzung zugezogen, die seinem Knie keine nennenswerten Ausflüge in unsere heißgeliebte abgeschiedene Bergwelt mehr erlaubten- vorerst. Hinsichtlich der ersten Bergtour konnte das neue Jahr aber nicht überraschen: Auch bei der Eröffnungstour 2013 folgte ein Abbruch. War ich letztes Jahr bei White-Out und Schneesturm am Erlakogel gescheitert, ging es mir nun in Begleitung von Lucas am Spering ebenso. Wenn ich heute diese Zeilen verfasse, muss ich fast ein wenig schmunzeln. Die Vorstellungen haben sich geändert, die Grenzen verschoben. Aber genau das macht den Bergsport so faszinierend. Immer wieder an seine eigenen mentalen und körperlichen Grenzen zu gelangen, diese zu überschreiten, manchmal aber auch resignierend einen Schritt zurück zu setzen und sich Fehltritte und Dummheiten einzugestehen, ist ein Lernprozess, der einen ein ganzes Leben lang begleitet und prägt. Die Berge sind eine Schule fürs Leben, nur ohne eine Möglichkeit auf einen Abschluss. Schon gar nicht mit Auszeichnung. Wer glaubt den Bergen und ihren zahlreichen Facetten überlegen zu sein, wird bald an ihnen scheitern.

Die Zeit strich ins Land und meine Tourenpartner wechselten sich ab, wie die Trainer von Austria Wien. Thomas, noch heute ein Meister seines Faches, wenn es um Mitschnitte unserer Touren geht, ließ dabei sein Handy in die schroffe Westwand des Schiefersteins im Reichraminger Hintergebirge fallen. Sein Gesicht, das sich nicht entscheiden konnte diesen Umstand traurig oder belustigt aufzunehmen, habe ich bis heute nicht vergessen.

Und dann kam Dani. Die kleine, aufgeweckte Linzerin, die es mit dem Studium nach Salzburg verschlagen hatte, wurde in dieser "männerlosen" Zeit meine Partnerin für jeglichen alpinistischen Schabernack. Mit einer Tour auf den Erlakogel und einer anschließenden Besteigung des Großen Sonnsteins, begann eine Freundschaft, die auch noch heute besteht und die sich durch so manche Gebirge kämpfte. Mittlerweile hat sich Dani zu einem Kletter-Ass entwickelt und hat gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Philip mit "Do gehts Auffi" ihre eigene Plattform geschaffen. Neben einer 03.00 Früh- Besteigung des Schobers bleibt auch mein erster 3.000er, das Schareck, in guter gemeinsamer Erinnerung.

Das Dream-Team und des Hochmuts Fall


Im Mai 2013 konnte Matthias wieder daran denken seinen angeschlagenen Fuß in alpines Terrain zu setzen und wir starteten auf der Trisselwand unser lang ersehntes Comeback. Es folgten Klassiker, wie die Watzmannüberschreitung, die wir mit einer durchaus lohnenden Kulturrunde verbanden. Irrsinnige Tourenkombinationen mit über 3.000 Höhenmetern folgten, die uns aufzeigten, dass sich unsere Kondition so stark verbessert hatte, dass wir auch unser Tourenrepertoire langsam vergrößern konnten. 

Die Freundschaft, die uns schon seit der Volksschule verband, hatte sich mittlerweile zu einem untrennbaren Band zusammengeschweißt. Der eine konnte sich voll und ganz auf den anderen verlassen. Sei es im alpinen Gelände oder in talnahen Gasthäusern. Dieser Umstand und das Gefühl gemeinsam alles bewältigen zu können, führte uns im Oktober 2013, zum zweiten Geburtstag von "bergaufundbergab" über den Nordwestgrat auf den 2.862m hohen Hochgolling. Klingt nicht sonderlich erwähnenswert- wäre nicht zuvor ein starker Wintereinbruch über die Berge unseres Landes niedergegangen. Bewaffnet mit Mut und Selbstüberschätzung zogen wir los und die Besteigung des Gollings entwickelte sich zu einer Schlacht. Zu einer Schlacht mit dem Eis, dem Schnee, dem losen Geröll und vor allem den Nerven. Wenn der eine einen Gedanken an Aufgeben verschwendete, ermutigte ihn der andere wieder zum Weitergehen. Und so führte sich dieses Schauspiel bis zum Gipfel fort. Abgekämpft, aber sehr glücklich blickten wir in die unendlichen Weiten der Hohen Tauern und genossen eine faszinierende Wolkenstimmung. Wenn ich heute daran denke, ist es immer noch eine der prägendsten Touren meiner bisherigen Laufbahn als Bergsportler.

Am 13. Oktober 2013 am winterlichen Hochgolling (2.862m)
Auch der Abstieg, mit seinen langen Querungen durch eine unverfestigte Neuschneedecke wurde nocheinmal zu einer harten Probe für die Psyche. Als wir nach mehr als 12 Stunden wieder unser Auto erreichten, waren diese Gedanken allesamt verflogen. Der Mensch lernt nur aus Fehlern und auch nur dann, wenn es richtig wehtut. Wenn etwas gelingt, sei es noch so schwierig, ist dies meist kein Grund seine Handlungen zu überdenken. Für uns war es das jedenfalls nicht. Und so kam es, wie es kommen musste: Nur eine Woche später durften wir mit der Bergrettung Hinterstoder von der Poppenalm ins Tal fahren. Und warum? Ganz einfach: Wer hoch fliegt, der fällt oft tief. Darum hätten wir schon dazumals auf Schlagertante Nicole hören sollen: Flieg nicht so hoch mein kleiner Freund. Wer so hoch hinaus will, der ist in Gefahr...
Die Stoderkammüberschreitung im Spätherbst, mit Aufstieg durch die Dietlhölle und einer nennenswerten Schneeauflage, war dann doch zuviel. Ohne Ortskenntnis stiegen wir ins Kletter-El-Dorado namens Schobertal ab und fanden uns in einem Gelände wieder, in das es ohne Seil wohl nur Lebensmüde zieht.  Ein Seil hatten wir aber natürlich nicht mit. Also folgte ein nächtlicher "Spaziergang" über das Dolinen-Plateau des Toten Gebirges, wo uns im Sigistal die motivierten Bergretter empfingen. Eine gehörige Portion Selbstüberschätzung hat uns unsanft wieder zurück auf dem Boden der Tatsachen landen lassen.

Ich würde es heute als notwendiges Übel bezeichnen. Wäre es nicht hier passiert, hätten wir auch diesen zugegeben absurden Plan bewerkstelligt, wäre es an einer anderen, vielleicht lebensgefährlichen Stelle passiert. Und aus diesem Fehler sollten wir schließlich lernen- auch wenn wir  uns eine Woche später (wohlgemerkt am 27. Oktober 2013) bei der Traverse vom Eisenerzer bis zum Admonter Reichenstein nur mit Biwaksack bewaffnet, durch die Nacht zitterten. Schlaf- statt atemlos. Doch die Rehabiliation war gelungen und unsere Selbstzweifel und das Schamgefühl waren verflogen. Allgemein war das Jahr 2013, das auch im letzten Teil unseres kleinen Rückblicks nocheinmal näher beleuchtet wird, begleitet von einem ständigen Erweitern des Horizonts. Sei es durch unliebsame Fehler, oder durch Touren, die einen an seine Grenzen, aber nicht darüber hinaus brachten. Auch viele neue Freunde konnten wir in diesem Jahr gewinnen. Der Google-beherrschende Lampi und der sanfte und überlegte Martin sollten nur zwei davon sein. 

Das Jahr 2013 - Zwischen Fehlern und grandiosen Touren



Hier ist es für heute zu Ende......doch...

FORTSETZUNG FOLGT.....

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