21. November 2014: Berglauf durchs Sengsengebirge

2.700 Höhenmeter, 32.5 Kilometer Wegstrecke

Nach meinem Lauf auf den Großen Priel am vergangenen Montag, war der Winter für ein kurzes Gastspiel in die heimische Bergwelt zurückgekehrt. Die Woche mit Arbeit und Studium verbracht, galt es am Freitag zu überprüfen wie ernsthaft sich die kalte Jahreszeit zurückgemeldet hatte. Weil ich ja bekanntlich ein hyperaktives Energiebündel bin, musste auch heute wieder eine ausgedehnte Runde her um meinen unersättlichen Willen nach Höhenmetern zu bändigen. Ich entschied mich für einen Ausflug ins Sengsengebirge. Der lange Kamm des Sengsengebirges zieht sich meist knapp unter 2.000 Metern von Klaus an der Pyhrnbahn bis nach Windischgarsten und umfasst zahlreiche Gipfel. Eine Überschreitung des westlichen Teils dieser wunderbaren Latschenzone wird üblicherweise in zwei Tagen mit einer Nächtigung im Uwe-Anderle Biwak absolviert.
Die üblichen Dinge meistens ignorierend, beginne ich meinen Lauf mit leichtem Gepäck erst nach 09.00 Uhr vom Bahnhof Klaus und spekuliere mit einem Sonnenuntergang auf dem Hohen Nock. Ich erreiche bald den Pertlgraben und darauf die verfallene Haidenalm. Kurz vor der Abzweigung zur Funkstation beginnt bereits eine geschlossene Schneedecke, die sich aber mit einer Auflage von nur rund 10 Centimetern anfangs recht dankbar erweist.

Das Schloss Klaus befreit sich von morgendlichen Nebelschwaden
Winterlicher Blick zum Spering-Gipfel (rechts, 1.605m)
Kurz überlege ich den Spering links liegen zu lassen, doch mein Ehrgeiz und die Tatsache, dass der Gipfel nunmal zur Überschreitung gehört, lassen mich in den verschneiten Weg einsteigen. Ich komme dennoch sehr flott voran und nach etwa zwanzig Minuten stehe ich auch schon am Gipfel. Die Zeitangabe (eine Stunde ) bei der Abzweigung darf getrost ignoriert werden. Über vierzig Minuten wird hier wohl niemand brauchen.

Am Gipfel des Sperings (1.605m)

Zufrieden über die schnelle Absolvierung des ersten Teilabschnitts, laufe ich denselben Weg wieder bergab. Die stetigen Blicke zur verschneiten Priel-Kette können am Grat immer wieder faszinieren und lassen mich auch beim folgenden Anstieg zum Schillereck immer wieder zur Seite blicken. Der Weg ist von einem Vorgänger gut gespurt und so kann ich in Windeseile auch den zweiten Gipfel des heutigen Tages von meiner Liste streichen.

Mein heutiges Betätigungsfeld
Auf dem Schillereck (1.748m)

War ich bis hierhin überrascht von den wenigen Problemen, die mir der Schnee bereitet hatte, war es jetzt an der Zeit meine Meinung zu überdenken. Vom Schillereck laufe ich wieder knapp 250 Höhenmeter in eine Senke und bekomme die ungustiöse Seite des Frühwinters zu spüren. Neben der Verlangsamung meiner Schrittgeschwindigkeit freut sich auch die Innenseite meiner Schuhe über Besuch. Zwischen den Latschen hat sich der Schnee gesammelt und statt 10 Centimetern liegen hier gut und gerne auch mal 30 Centimeter.

Verschneiter Rückblick
Laufschuhe gegen den Winter: 0:1
Zumal der Weg hier auch immer wieder in die Nordseite ausweicht, verbessert sich die Situation bis zum Gipfel des Hochsengs nicht mehr. Zusätzlich hat das ansässige Bundesheer beschlossen mich mit dem Werfen von Handgranaten am Truppenübungsplatz aufzuscheuchen. Immer wieder knallt es und die felsigen Nordabstürze der sonst recht sanften Sengsengberge vibrieren. Während der Winter im heutigen Duell "David gegen Goliath" gegen meine Laufschuhe durch eine strategische Überzahl im Mittelfeld auf 1:0 gestellt hat, freue ich mich am Hochsengs-Gipfel über einen Energieriegel.

Hochsengs voraus!
Kurze Pause am Hochsengs-Gipfel (1.838m)
Den sonst recht abschüssigen Abstieg zum Uwe-Anderle Biwak, der auch teilweise mit Drahtseilen entschärft wurde, bringe ich sehr schnell hinter mich und bin froh in aller Frühe geistesgegenwärtig Ersatz-Socken mitgenommen zu haben. Kurz "frisch gemacht" überlege ich wenige Sekunden den unmarkierten Abstieg zur Kogleralm zu nehmen um dem Winter den Sieg zu schenken. Doch während ich noch überlege, bin ich schon beinahe am Gipfel des Gamskogels angelangt und setzte die "Überlaufung" fort.

Uwe-Anderle Biwak (1.583m)
Das Bundesheer probt sich lautstark durchs Waffensortiment
Vom Gamskogel bis zum Rohrauer Größtenberg bin ich wieder froh meine Laufschuhe zu haben. Fast schneefrei geht es im Eilschritt dahin und ich kann die verlorene Zeit wieder gut machen. Somit auch ein verdienter Ausgleich zum 1:1. Immer diese Fußballmetaphern....

Rückblick auf die bereits absolvierte Wegstrecke
Am Rohrauer Größtenberg (1.810m) angelangt, mache ich mir ein Bild über den letzten Abschnitt zum Hohen Nock. Ich habe bis hierher 4 Stunden und 40 Minuten gebraucht und bin durchaus zufrieden. Wer sich mit Fußball beschäftigt kennt das: Bis zur 90. Minute steht es bei einem durchaus ausgeglichenen Match 1:1, dann erfolgt der plötzliche Doppelschlag einer Mannschaft in der Nachspielzeit und alle Bemühungen waren umsonst. Der Winter konnte in der Nachspielzeit jedenfalls das 1:2 erzielen. Der Weg zum Nock war mehr eine Tortur, als eine Unternehmung in den Bergen.

Immer wieder unangenehmes Einsinken am Weg zum Nock
Typische Szenerie am heutigen Tag
Ich quäle mich also die letzten Meter aufs Plateau und beginne dann mit der Stapferei zum Gipfel. Auch hier sinke ich oft ein, was man mit Stangenschüssen des Winters gleichsetzen könnte. Getroffen hat er das Tor nämlich nicht: Nach knapp 6 Stunden stehe ich zufrieden am Gipfel des hohen Nocks (1.963m) und muss aber leider bemerken, dass Wolken einen schönen Sonnenuntergang verhindern. 

Endstation: Am Nock-Gipfel 
Ich verweile nur kurz und sprinte dann durch den Budergraben zurück ins Tal. Der Weg ist gespurt und ab 1.400 Metern auch wieder aper. Nicht meine Energiereserven sondern eine klitzekleine Portion an "Hosenscheisser-Mentalität" lässt mich auch noch die letzten 6 Kilometer im Dunklen zum Bahnhof Roßleiten laufen. 

Über die Voralpen legt sich der rote Abendschleier
Nach sieben Stunden und 40 Minuten kann ich mich am Bahnhof aufwärmen und die Reise zurück in die Landeshauptstadt antreten. Tja, so gelang mir tatsächlich noch der Ausgleich in einem Duell, das heute oft auf Messers Schneide stand. Auf eurem Programm sollte nun ein Blick ins folgende Fotoalbum stehen:



Mehr über Gabriel Egger:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Danke für dein Interesse. Hinterlasse uns doch ein Kommentar wenn du Fragen oder Lob zu unseren Aktivitäten mitteilen möchtest.