15. November 2014: Eisenlos durch die Nacht: Abbruch am Hohen Göll (2.522m)

Eisenlos durch die Nacht: Dieser kurze Satz beschreibt wohl die Nacht von Freitag den 14. November auf Samstag den 15. November 2014 am Besten.

Aber alles von Anfang an:
Am Donnerstag Nachmittag beschloss ich, den anstrengenden Schulvormittag und den damit verbundenen, verlorenen Schlaf (Ja wir Schüler aus Ried im Innkreis müssen schon um halb Acht Uhr in der Schule stehen), durch ein kleines Nachmittagsschläfchen zu kompensieren. Doch "leider" klingelte der an diesem Tag gestellte Wecker nicht mehr und ich kam erst am Freitag morgen gegen 6:00 Uhr wieder aus meiner Tiefschlafphase zurück in die Realität.

Noch in der Schule überlegte ich, was ich wohl am nächsten Tag für einen Ausflug ins Gebirge machen sollte. Die Frage war schwer zu beantworten, da ich in der darauffolgenden Woche eine wichtige Prüfung hatte und es wohl nicht schadete meine Englisch-Bücher am Samstag doch noch aufzuschlagen. Doch für jedes Problem gibt es auch eine Lösung. Da ich mich in der vergangenen Nacht ausreichend erholt hatte, beschloss ich die kommende Nacht nicht zu schlafen und stattdessen ins Gebirge zu fahren. Der Plan war einen hohen Berg in der Nacht zu besteigen, um einen wohl grandiosen Sonnenaufgang zu erleben und auch rechtzeitig wieder zurück in Ried zu sein um lernen zu können. Doch war es schwer für mich ein passendes Gipfelziel für meine kommende Nacht zu finden. Nach längerem Überlegen, gab mir dann mein Kollege Gabriel den Tipp auf den Hohen Göll zu gehen. Natürlich fand ich diese Idee genial und einer kalten Nacht in den Bergen stand wohl nichts mehr im Wege.

Schließlich startete ich dann gegen 23:00 Uhr in Richtung Berchtesgaden um dem Göll einen Besuch abzustatten. Um ca. 0:30 Uhr startete ich vom Parkplatz Ahornkaser in Richtung des auf 1.692 Meter hoch liegenden Purtschellerhauses.

Wegweiser am Ahornkaser

Nächtliches Treiben im Berchtesgadner Land

Berchtesgaden bei Nacht

 Schon nach wenigen Höhenmetern hatte ich auch schon den ersten Schneekontakt. Schnell war das Purtschellerhaus erreicht und ab diesem Zeitpunkt war mein Weiterweg von einer durchgehenden Schneedecke überzogen. Leider entsprach dieser Umstand nicht ganz meinem Plan, da ich keinen Pickel sowie Steigeisen dabei hatte und die Schneedecke hart wie Beton war. Nichts desto trotz musste es weiter gehen und so musste für meinen Weiterweg am vereisten Schustersteig ein mitgebrachter Wanderstock als Pickel herhalten. Die meiste Zeit ging diese Taktik gut auf und ich konnte schnell, viele Höhenmeter absolvieren. Der Wanderstock hielt mit seiner Eisenspitze wirklich gut im harten Schnee. Allerdings waren die oft ausgesetzten Stellen am Schustersteig doch eine wirklich mentale Herausforderung, so ganz ohne Steigeisen. Auf ca. 2.150 Metern, kam ich zu einer kurzen sehr abdrängenden Drahtseilpassage. Da mich mein Wanderstock an dieser Stelle nur störte, versuchte ich diesen, einige Meter nach unten auf einen kleinen Absatz zu werfen um mich freier bewegen zu können. Mein Gehirn, verdummt durch die Nacht, ließ letztendlich diese Handlung auch noch zu und ich warf meinen warscheinlich lebensrettenden Stock in den Abgrund. Dieser landete zwar wie geplant auf dem Absatz, jedoch sprang er noch einen Hüpfer weiter in die imposante, nächtliche Nordwand des Hohen Gölls.

"Der Mensch ist die größte Naturkatastrophe dieses Planeten", dieser Satz schoss mir in diesem Augenblick durch meinen mit Stroh gefüllten Kopf. Nun stand ich also da, um 3:00 Uhr morgens auf einem schmalen Grat in der Nähe des Hohen-Göll-Gipfels. Über mir vereistes Gelände das wahrscheinlich mit zunehmender Höhe noch schlimmer wird und unter mir mein vereister Aufstiegsweg mit nur schwach ausgeprägten Spuren eines wohl schon 2-3 Wochen alten Besteigungsversuch des Hohen Gölls. Spätestens jetzt war klar, dass ich es heute nicht mehr auf den Gipfel schaffen werde. Doch das war wohl mein geringstes Problem in diesem Moment. Meine Hauptaufgabe war nun wieder irgendwie heil ins Tal zu gelangen. Doch das war nicht besonders leicht ohne jegliche Hilfsmittel. Nun hieß es improvisieren. Ich fing an in meiner näheren Umgebung einen spitzen Stein zu suchen, doch leider war weit und breit nichts Brauchbares zu finden.
Ich begann also die ersten Höhenmeter bergab Stufen zu schlagen. Nach ca. 20-30 Höhenmetern Stufen schlagen und gefühlt gebrochenen Zehen, erreicht ich ein kleines, aperes Plateau. Hier lagen viele Steine und bald fand ich auch einen, der "ganz gut als provisorischer Pickel herhalten würde"(Bitte nicht nachmachen!!).

Mein Rettungsstein


Dann wurde es ernst. Ich versuchte mich am Abstieg. Langsam aber doch absolvierte ich Höhenmeter für Höhenmeter in Richtung Tal. Leider verlor ich beim Abstieg auch noch eine Jacke, die nicht wirklich gut am Rucksack befestigt worden war. Nach ca. 1,5 Stunden stand ich endlich wieder in halbwegs sicherem Gelände und ich lief noch die restlichen Höhenmeter zum Auto hinunter. Körperlich und physisch am Zenit überlegte ich noch kurz meinen "Rettungsstein" mit nach Hause zu nehmen und ihm einen Ehrenplatz in meinem Zimmer zu verschaffen.Jedoch traf ich letztendlich doch die Entscheidung den Stein zu lassen, wo er hingehört. Danach machte ich mich auf den Heimweg. Zuhause angekommen, schlief ich noch einige Stunden, ehe ich mich dann vor meine Englisch Bücher saß und zu lernen begann.

Glück im Unglück waren wohl die einzigen Worte, die diese verrückte Nacht beschreiben konnten. Allerdings muss ich mir an dieser Stelle selbst Vorwürfe für diese brenzlige Situation machen. Steigeisen und Pickel wären in dieser Nacht ein Muss gewesen und hätte wohl jeder vernünftige Alpinist dabei gehabt.

Aus Fehlern lernt man!

Mehr über Gabriel Egger:

Kommentare:

  1. Ich stimme dem letzten Satz zu, aber is jo nu moi guat gangen! Für Schneeauskünfte rund um Göll und Co in Zukunft gerne melden, dann schau ich aus dem Fenster und geb gern die aktuellen Bedingungen durch! ;)

    Zum Göll im Winter gibts ein paar Interessante Schmankerl vom Timo: http://www.timoser.at/2010/12/besinnliche-wintergratweitwanderung/ man beachte die Gesichtsausdrücke :P

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für den Link, äußerst spannende Gschichten :D

      Löschen

Danke für dein Interesse. Hinterlasse uns doch ein Kommentar wenn du Fragen oder Lob zu unseren Aktivitäten mitteilen möchtest.