29. Oktober: Großer Priel (2.515m)

1.950 Höhenmeter, 19km Wegstrecke

Dass es sich der Winter in den heimischen Gefilden gemütlich gemacht hat, wissen wir spätestens seit unserer etwas merkwürdig anmutenden Hochkönig-Besteigung. Weil Hans diesen Umstand aber auch am eigenen Leib verspüren sollte, musste heute ein oberösterreichischer Klassiker für die Veranschaulichung der neuen Verhältnisse herhalten. Wir starten unsere Tour, bei prognostiziertem Kaiserwetter, beim Parkplatz Polsterlucke und bringen den Forststraßenzustieg möglichst schnell hinter uns. Nebelschwaden lassen die Riesen des Toten Gebirges noch in mystischer Art glänzen und funkeln, als wir uns endlich Richtung Prielschutzhaus bewegen. Das Tote Gebirge, ich würde es schon fast zu einem österreichischen Kulturgut zählen, lässt seine Besucher immer wieder verblüfft inne halten. Wenn man so will, ist dieses riesige Karstgebiet der Zombie unter den Bergketten. Offensichtlich tot, präsentiert es dem genauen Betrachter seine zauberhafte Lebendigkeit.

Nebelverhangener Start in den Tag
Doch über dem Nebel offenbart sich die Schönheit des blauen Himmels
Wir kommen ohne "Feindkontakt" schnell aufwärts und erreichen das Prielschutzhaus, wo wir unsere mitgebrachten Stöcke  (die Geheimwaffe des Winterbegehers) aus ihren Verstecken holen um für den folgenen Kampf gegen die Stiefkinder von Frau Holle gewappnet zu sein. Die Blicke zur Spitzmauer sind zwar wie immer wunderschön, doch der Anblick des Brotfalls lässt uns keine großen Freudensprünge machen. Eine dicke, tiefliegende Wolkenschicht hat den Gipfel des Priels fest im Griff und sieht auch nicht so aus, als würde sie heute noch den "Besitzer" wechseln. Naja, wir haben sowieso keine Wahl. Kurz vor der Abzweigung in die Klinserschlucht beginnt dann die durchgehende Schneedecke, die aber anfangs noch gut trägt und das Weiterkommen nicht zu einer Sisyphos-Arbeit macht. Noch nicht.

Das Prielschutzhaus (1.420m) ist erreicht
Das Matterhorn der Ostalpen: Die Spitzmauer (2.446m)
Der Schnee beginnt...
In einer Spur eines Vorgängers kommen wir gut voran, und bald stehen wir in der Brotfallscharte. Die Seilversicherungen allesamt unter der Schneedecke, dürfen wir uns selbst einen Weg zum Ausstieg auf 2.360 Metern suchen. Das geht recht flott, ist aber vor allem auch sehr steil.

Ab in den Nebel- rauf auf den Grat
Am Weg durch die Brotfallscharte
Was uns dann beim Ausstieg erwartet, erinnert ein bisschen an Steven Spielbergs "Fog-Nebel des Grauens". Doch der Große Priel scheint heute eine Fortsetzung drehen zu wollen: "Wind- Orkan des Entsetzens". Weil aber der zweite Teil eines Films nie so gut ist, wie das Original, haben wir die windgepeitschten Stellen bald überwunden und können uns im Auf-und-Ab am breiten Priel-Grat wieder an den aus dem Schnee ragenden Felsen orientieren.

"Bettlerwetter" statt Kaiserwetter am Priel
Wir freuen uns dennoch über das Erreichen des knallroten Kreuzes und stoßen auf den heutigen Tag an. Es muss nicht immer ein blauer Himmel sein. Es müssen auch nicht immer perfekte Sichtbedingungen herrschen. Auch der Weg muss nicht immer perfekt zu begehen sein. Es sind die Momente, der Augenblick und vor allem manchmal auch die Überwindung, die eine Bergtour vollkommen machen.

Am Gipfel des Großen Priels (2.515m)
Die Kälte, die langsam in unsere völlig durchnässten Schuhe kriecht, treibt uns wieder zurück in die Wärme des Prielschutzhauses. Über denselben Weg, diesmal bedeutend schneller, geht es wieder zurück über die Brotfallscharte ins Kühkar. Ab hier hätte es auch dem Schlitzohr der griechischen Mythologie Sisyphos gefallen: Ein Schritt talwärts, zwei Schritte unter die Schneedecke. Trotz des Gefühls auch Barfuß gehen zu können, macht es Spaß und wir erreichen vergnügt den Winterraum des Prielschutzhauses, wo wir uns bei Bier und Radler aufwärmen.

Retour durchs Kühkar
Ein paar wenige Blicke zur Warscheneckgruppe sind uns noch vergönnt
Aufgewärmt geht es schnurstracks wieder zurück zum Parkplatz, wo uns Hans bequem zur nächsten Raststation kutschiert um unsere Energiespeicher wieder aufzufüllen. Ein Klassiker, der heute eigentlich nicht so klasse war, aber dennoch klassische Winterbedingungen aufwies. Vom Parkplatz auf den Gipfel haben wir heute knapp 4 Stunden und 20 Minuten gebraucht. Für das Durchklicken des folgenden Fotoalbums reichen wahrscheinlich schon zwei Minuten :) :


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