30. März 2014: Mit der Zeit gehen- Traunstein und Gamskogel

2.350 Höhenmeter, 23km Wegstrecke
Von Gabriel Egger


Nein, ihr habt euch nicht verlesen und nein, die Berge haben, abgesehen von ihrem großartigen Panorama, auch nichts miteinander zu tun. Weil die Uhren über Nacht anders tickten, tickten auch wir wiedereinmal aus und beschlossen zwei Bergen an einem Tag die Ehre zu erweisen. Diese vermeintlich seltsame Idee ist uns nicht fremd, so bekamen auch schon letztes Jahr Priel und Pyrhgas oder auch die Rottenmanner- 2000er und der Sarstein verrückten Besuch.

Der Traunstein und ich sind mittlerweile schon gute Freunde und so darf es nicht verwundern, dass der Felskoloss am Traunsee den Vormittags-Part übernehmen wird. Weil wir heute aber mit größerem Ansturm rechnen, weichen wir auf den alten Naturfreundesteig aus, um erst am Überstieg, wieder im Gänsemarsch nach oben zu laufen.

Wir steigen also um 09.45 Uhr in den fast zur Gänze aperen Steig ein und genießen die Einsamkeit auf neuem Terrain. Die alten Versicherungen, oder besser die, die noch vorhanden sind, halten noch gut und so erreichen wir bald die "Schlüsselstelle" vor dem Überstieg, die in leichter Kletterei überwunden wird, eher wir mit einem Bad in der Frühlings-Sonne belohnt werden.

Der untere Teil des alten NF-Steiges im Überblick
Die alten Versicherungen können doch noch etwas an Sicherheit versprechen
Die "Schlüsselstelle" des Steiges: Eine Leiter wurde entfernt
Freude beim Ausstieg
Im Eiltempo geht es dem Naturfreundehaus entgegen, das heute bereits mit einer provisorischen Bar für die doch zahlreich erschienen Gäste aufwartet. Auch die Gmundner Hütte hat ihre Pforten wieder geöffnet, und wird dies wohl bei anhaltend schönem Wetter auch weiterhin an den Wochenenden so praktizieren.

Wir halten uns nicht lange auf und marschieren übers verschneite Plateau. Der Schnee trägt heute aber besonders gut und so haben wir auch mit den "Patscherln" absolut kein Problem. Das Kreuz rückt näher und mit ein bisschen Wehmut, dass der "Stoan" jetzt wieder zur Touristenzone avancieren wird, blicken wir zum Großen Priel, der sich mit seinem weißen Haupte noch keine Gedanken über einen Ansturm machen muss. Vom Gipfel folgen die klassichen Ausblicke Richtung Ebensee und Gmunden und auch der Traunsee glänzt mit seinem eisigen Wasser verführerisch in der heißen Mittagssonne.

Wer kennt ihn nicht?- Den klassischen Blick vom Traunstein
Am Gipfel treffen wir schließlich einen alten Klassenkameraden, den ich zuletzt vor einem guten Jahr getroffen habe - damals am Erlakogel. Man würde meinen, man läuft sich einmal in der Linzer Dorfmetropole über den Weg, aber auf den Bergen kumman d'Leit zam!

Gipfeltreffen am Traunstein
Nach einigen netten Unterhaltungen machen wir uns wieder an den Abstieg. Bevor wir über die Scheißheisl-Rinne absteigen, in einem Tempo als würden wir genau dieses benutzen müssen, schauen wir noch am Naturfreundehaus vorbei um mit einem Bier auf den ersten Gipfel anzustoßen. Sitzplatz gibt es trotz zahlreicher Bänke keinen mehr und so sind wir auch schnell wieder unterwegs!

Zurück übers (noch) verschneite Plateau
Am See angekommen, glitzert dieser auch weiterhin verführerisch in der Sonne und so beschließen wir die heurige Badesaison mit einem Sprung in den Traunsee zu eröffnen um die müden Beine wieder fit zu machen.

Kälteschock beim Sprung in den Traunsee
Nach einem "Mama, warum ist der Bub nackig?" lassen wir auch die Familien am Seeufer wieder in Frieden und verlegen die Erregung öffentlichen Ärgernisses nach Bad Ischl. Frisch gebadet und abgekühlt steuern wir die Rettenbachalm an, den Ausgangspunkt für unseren zweiten Streich. Der Gamskogel, beiden noch kein praktischer Begriff, ist ein bewaldeter Aussichtsberg im Schatten des Schönbergs. Schön südseitig gelegen, verspricht er Ende März einen angenehmen und schneearmen Anstieg und nach einer kurzen Bachquerung geht es auch schon los.

Nach dem Traunsee folgt der Rettenbach- diesmal aber nur in Form eines Fußbades
Die Seer wären stolz: Der Loser "wiara owischaut"
Völlig schneefrei geht es bis auf etwa 1.150 Meter, wo sich der Winter beschämt zurückmeldet und mit den letzten Resten gegen den Frühling kämpft. Doch die Last-Man-Standing Attitüde bringt nicht mehr viel und so verliert sich das weiße Gold schnell wieder.

Die letzten Reste des Winters schmelzen bei frühlingshaften Temperaturen
Der latschige Gipfelanstieg ist noch einmal eine Zerreißprobe für die Nerven, denn hier muss jeder Schritt sitzen um nicht bis zur Hüfte im Schnee zu stecken. Doch auch dieser ist bald geschafft und wir können uns über den zweiten Gipfel des Tages freuen. Auch Dachstein, Schönberg, Loser, Sandling und Co freuen sich mit uns.

Die letzten Meter zum Gamskogel
Mittlerweile ist es etwa 18.20 Uhr und wir müssen uns noch gedulden bis die Sonne "A bientot" sagt. Wir genießen die großartigen Stimmungen und bemerken dabei schon, wie sich die Beinbehaarung gegen die aufkommende Kälte stellt.

Tolle Abendstimmung am Gipfel
Weil wir mit Sonnenuntergängen in letzter Zeit fast verwöhnt wurden, tun wir uns heute nicht schwer uns gegen einen Verbleib am Gipfel zu entscheiden und steigen um kurz nach sieben Uhr abends wieder auf selbigem Weg ab. Trotz der geschlossenen Schneedecke ist das Gefühl von Sommer vorherrschend und die Sonne, die sich immer noch nicht zum "Gehen" überreden lässt, intensiviert dieses Gefühl.

Abstieg bei untergehender Sonne 
Mit einigen netten Tierbegegnungen im Gepäck erreichen wir schließlich den verlassenen Parkplatz und treten nach knapp 2.350hm die Heimreise in die Landeshauptstadt an.

Das Schlag"wort" mit der Zeit gehen haben wir heute zu unserem Motto erklärt und einen ausgefüllten Tourentag erlebt! Wer weiß, was uns diesen Sommer noch so einfällt...

Euch könnte nach Lektüre des umfangreicheren Berichts nun einfallen, einen Blick ins Fotoalbum zu riskieren:


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