21. April 2014: Kitzstein (1.925m) & Sonnenuntergang am Kasberg (1.748m)

2.550 Höhenmeter, 30km Wegstrecke

Die Rückkehr von Matthias aus dem sinnebenebelnden Amsterdam ist auch gleichzeitig eine Rückkehr der gemeinsamen Rastlosigkeit und so darf es nicht verwundern, dass der Sonntag wieder für eine ausgedehnte Tour in der heimischen Bergwelt herhalten muss. Weil das Wetter in den letzten Tagen eher verliebten Päärchen die Möglichkeit für heimelige Schäferstunden geboten hat, freuen wir uns, dass es sich heute von Beginn an wieder für den Bergsport begeistern kann.

Mit dem 1.847m hohen Lahnerkogel , der sich auf unserer Gipfelliste bisher noch keinen Eintrag verdient hatte, wird schnell ein lohnendes Ziel gefunden und schon steuern wir den Pyhrnpass an! Der Himmel erstrahlt in schönstem Blau und als wir Warscheneck und Angerkogel aufblitzen sehen kennt die Vorfreude keine Grenzen mehr.

Den Parkplatz erreicht sind nur zwei Liezener Volkswägen bereits eingetrudelt und wir wundern uns doch etwas ob der niedrigen Frequenz. Dennoch machen wir uns schnurstracks auf dem durchgehend gut markierten Wanderweg auf um die schwarzen Flecken auf der Landkarte in Maler-Manier anzustreichen. Vorbei an der Fuchsalm, geht es doch gehörig steil in den Wald hinein und so wird Höhenmeter um Höhenmeter sehr schnell abgespult.

Lahnerkogel (1.847m)
Die bereits erhaschten Blicke zum Gipfelaufbau lassen uns wissen, dass es sich beim Anstieg nicht mehr um Schneestapferei, wie zuletzt am Dürrenschöberl, handeln wird. Insgeheim spekulieren wir noch den Übergang zum Bosruck (1.992m) zu wagen, wenn es die Verwechtungen und der weiche Schnee zulassen würden.

Als die Tiere den Wald verließen, konnten sie gleich herrliche Blicke zum gegenüberliegenden Warscheneck mit Roter Wand und Stubwieswipfel und direkt ins Ennstal zu König Grimming werfen.

Großartige Blicke ins Ennstal
Austria's Next Top Model : Der Grimming
Warscheneck mit Süd-Ost Grat (Bildmitte) und Ramesch (am rechten Bildrand)
Weil der Weg auch weiterhin steil bleibt, erreichen wir schon nach etwa zwei Stunden den Gipfel des Lahnerkogels. Zuerst müssen wir uns im obersten Bereich aber noch mit nassem Altschnee abplagen, der uns immer wieder um einige Centimeter kürzer macht. Oben angekommen gesellt sich auch noch ein kalter Wind dazu und gemeinsam sorgen Herr Schnee und Frau Wind (die stürmische Art der Frauen veranlasst mich zu einer Verweiblichung) für sehr kurze Gipfelfreuden. 

Am Gipfel des Lahnerkogels
Von hier aus sieht der eigentlich recht harmlose Grat zum Bosruck noch sehr bescheiden aus, und so entschließen wir uns die Sache vom nahegelegenen Kitzstein genauer anzusehen. So marschieren wir durch tiefen, nassen Schnee, auf und neben riesigen Wechten und durch abschüssiges Steilgelände den Grat entlang. Der Grat, der manchmal in die Nordflanke ausweicht, ist noch tief verschneit und so müssen wir die vereinzelt angebrachten Versicherungen immer wieder aus dem Schnee ziehen. 

Noch nicht sehr einladend: Übergang zu Kitzstein und Bosruck

Vorbei an Wechten bahnen wir uns einen Weg durch die Winterlandschaft

Balanceakt über dem Ennstal

Im Süden tauchen Wolken auf
Am Kitzstein angekommen müssen wir unseren Blick enttäuscht vom weiteren Gratverlauf abwenden- zuviel  Schnee liegt hier noch und ein Übergang würde uns zuviel Zeit und wahrscheinlich auch einige Nerven kosten. So rasten wir am Kitzstein etwas länger, blicken Richtung Sengsenggebirge und beratschlagen bereits über das Nachmittagsprogramm.

Am Kitzstein (1.925m)
Die Wolkenbank von Süden nähert sich immer mehr und so trägt bald  nicht mehr  nur der Boden ein weißes Kleid. Ein paar wehmütige Blicke Richtung Bosruck später sind wir aber auch schon wieder am Weg zurück zum Lahnerkogel, wo wir den Gebirgsee, der sich in unseren Schuhen gebildet hat, bewundern dürfen. Zum Trinken dann aber doch zu unsauber, lassen wir im wahrsten Sinne des Wortes Wasser und eilen im Laufschritt am markierten Wanderweg zurück zum Parkplatz.

So nah- und doch so fern: Der Bosruck
Hochtausing- im Hintergrund der Dachstein
Auch Blicke ins Gesäuse sind uns kurz vergönnt
Zurück am Parkplatz wechseln wir zuerst die verschwitzten, aber natürlich dennoch wohlduftenden Kleider, und begeben uns zur weiteren "verbalen Wegfindung" nach Windischgarsten, wo wir altmodisch und schlicht bei Bier und Würstel versuchen einen Konsens zu finden. Dieser Konsens trägt mit dem 1.748m hohen Kasberg auch bald einen Namen und wir können uns zufrieden unserem Nachmittagsprogramm widmen.
Den Kasberg, bekannt als traumhafter Sonnenuntergangsberg, nehmen wir schließlich vom Brunnental bei Steyrling in Angriff. Hier darf man sich aber zuerst einmal dem Katzengraben widmen, der sich aber nicht so zart und niedlich wie seine Namensgeber präsentiert. Der lange schattige Forststraßenanstieg verursacht neben einer Ausweitung des Schimpfwort-Vokabulars auch die ersten Müdigkeitserscheinungen. Bei der Steyrer-Hütte angekommen gönnen wir uns die erste Rast und blicken ins Tote Gebirge, das sich hier ganz besonders in Szene setzen zu vermag.

Großer Priel mit Nordwand
Auch von mir bekommt das Tote Gebirge anmutige Huldigungen

Wir marschieren weiter ins Kasbergkar, wo wir uns aber nicht links dem Kasberg zuwenden, sondern den unmarkierten Anstieg zur Schwalbenmauer in Angriff nehmen. Ja, ein bisschen verrückt sind wir eben schon.
Hier ist es am Besten sich dem Kamm, der vom Kasberg zur Schwalbenmauer zieht geradlinig zu nähern (NO). Hier umgeht man die ersten Latschen noch, bevor auf der Rückseite ein klar ausgeschnittener Weg auf den Grat zusteuert. Findet man diesen Weg, und kämpft sich nicht so wie wir durch das Latschendickicht, ist die Schwalbenmauer schnell erreicht. Die steilen Felsabstürze nach Norden verlangen noch einmal etwas Trittsicherheit, bevor man das schlichte, kleine Kreuz in einem endlos wirkenden Latschengang erreicht.

Mittlerweile ist es bereits 18.00 Uhr und langsam geraten wir in Zeitdruck, denn wir wollen schließlich pünktlich zum Sonnenuntergang am Kasberggipfel stehen.

Geradeaus durchs Kasbergkar
Latschenparadies 
Zwei Vögel auf der Schwalbenmauer (1.657m)
Kurz überlegen wir dem breiten Kamm weglos auf den Kasberg zu folgen, entscheiden uns aber aus schneeweißen Gründen um und laufen zurück zum markierten Wanderweg, der den Roßschopf links liegen lässt. Hier liegt dann doch noch einiges an Schnee und unsere Halb-und Laufschuhe müssen an ihre Grenzen gehen. Die Ausblicke und das besondere Licht, das die untergehende Sonne erzeugt, entschädigen aber für eine weitere Wasserschlacht in unserem Schuhwerk.

Den Roßschopf hinter uns gelassen, geht es dem Kasberggipfel entgegen
Pünktlich um 20.00 Uhr stehen wir auf dem formidablen Aussichtsberg

Am Kasberg-Gipfel angekommen versperren uns leider tiefhängende Wolken die Sicht auf den Sonnenuntergang- dennoch 2.550 Höhenmeter später freuen wir uns auch ohne den Hitzeplaneten über unser mitgebrachtes Bier. Mit der hereinbrechenden Dunkelheit kriecht auch langsam die Kälte in unsere Körper und wir machen uns an den Abstieg. Für jenen benutzen wir heute die Skitourenroute und rutschen auch ganz ohne Bretter in Windeseile zurück ins Kasbergkar.

Die Sonne geht hinter den Wolken unter
Wunderbare Abendstimmungen

Eine Eule begleitet uns schließlich in der Dunkelheit durch den Katzengraben und um etwa 22.00 Uhr dürfen wir erschöpft aber glücklich die Heimreise antreten. Ihr aber dürft nun eine Reise durchs folgende, wirklich lohnende, Fotoalbum antreten:



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