09. Februar & 10. Februar 2014: Spering (1.605m) & Schillereck (1.748m)

1.450 Höhenmeter-  22,45 Kilometer Wegstrecke
Von Gabriel Egger

Gemeinsam mit meinem ehemals treuen Begleiter Michael, der sich selbst vorzeitig in die Bergpension verfrachtete, mache ich mich also Sonntag Vormittag mit dem Zug auf den Weg nach Klaus um dem Kamm des Sengsengebirges wiedereinmal einen Besuch abzustatten. Dem Studenten Schmarotzer-Dasein sei Dank befinden wir uns mitten in den Semesterferien und so wird eine Nacht im Uwe Anderle- Biwak angedacht, sollte doch am Montag wieder der Föhn ins oberösterreichische Gebirge zurückkehren. Ich rechne mit überschaubaren Schneemengen und so starten wir unsere Tour bei strömendem Regen und marschieren hurtig am Staudamm vorbei. Jochen Schweitzer wäre stolz gewesen, so anziehend wirkt die Bungee-Jump Plattform auf mich. Doch weil ich bekanntlich lieber auf Berggipfeln fliege, verlege ich den Sprung aufs Plateau des Schillerecks.

Mit unserem matschigen Anstieg beginnt auch gleichzeitig das Match zwischen Frühling und Winter. Der Frühling erwischt schon in den Anfangsminuten einen Traumstart und geht verdientermaßen in Führung. Erster Zeuge davon ist die Helleborus Niger, gemeinhin als Schneerose bekannt, die sich bereits in vollster Pracht präsentiert. Die Regentropfen wandeln sich ab etwa 800m Seehöhe in Schneeflocken und erhellen neben der nebeligen Landschaft auch unsere Gemüter.


Frühling vs. Winter 1:0

Vorerst noch fast schneefreier Zustieg zum Spering-Sender
Der Frühling kämpft gegen den Winter
Wir wechseln schließlich vom Wanderweg auf etwa 1150m auf die Forststraße und bahnen uns mit den Schneeschuhen durch den doch beachtlichen Neuschnee einen Weg zum Spering-Sender. Dieser, zugegeben, blöde Umweg kostet uns eine Menge Zeit und so erreichen wir den Biwakraum erst gegen 13.00 Uhr. Wir entschließen uns auf Wetterbesserung zu warten, denn nun hat sich zum Schneetreiben auch noch ein orkanartiger Wind gesellt, die sich gemeinsam als sehr unliebsame Wegbegleiter entpuppen. Der Winter, als Favorit gestartet, kann auf den Blitzstart also gekonnt reagieren und gleicht noch vor der Halbzeit souverän aus.

Frühling vs. Winter 1:1

Erst gegen 16.30 Uhr verziehen sich die Wolken und das Wetter bessert sich minütlich. Wir packen unsere Stirnlampen ein und wollen die letzte Stunde Tageslicht nutzen um möglichst weit Richtung Anderle-Biwak zu schreiten. Durch gute Weg- und Ortskenntnisse meinerseits sollte der Weiterweg auch in der Dunkelheit, bei klarem Himmel, möglich sein. Doch schon am Gipfel des Schillerecks hat die vermeintliche Nachtwanderung schon wieder ihren Endpunkt erreicht.

Abendstimmung vor dem Biwak
Schneetreiben, Wind und diffuse Sicht machen eine Weiterführung unserer Unternehmung sinnlos und wir beschließen die Nacht im Notraum des Spering-Senders zu verbringen. Dort angekommen , stören wir einen 64-jährigen Kollegen bei seinem Kurzurlaub vom geschäftigen Treiben im Tal. Mürrisch, aber doch kompromissbereit begrüßt er uns und aus seiner Einsamkeit wird eine Dreisamkeit während für uns aus dem kleinen hölzernen Bettchen ein Doppelbett wird. Nach einigen Gesprächen legen wir uns ins Bett und schnarchen uns in den Schlaf.

Biwak-Freude!
In der Nacht bessert sich das Wetter und man kann einen sternenklaren Himmel bewundern, der uns Lust auf mehr macht. Unser 64-jähriger Wecker reißt uns schließlich um 06.00 Uhr, etwas zu spät, aus den Federn und wir beginnen mit dem Anstieg zum Schillereck. Gespurt haben wir schon am Vorabend, so kommen wir heute sehr zügig voran. Doch Michael's Bergpension hat ihm so einiges an Kondition geraubt und der Ausflug zum Hochsengs wird schon jetzt wieder verworfen. Der Föhn macht sich bemerkbar und peitscht uns den frischen Schnee um die Ohren. Spätestens jetzt hat der Winter sich zurückgemeldet und konnte das Ergebnis endgültig drehen. Diesmal zeugen traumhafte Wechten vom neuen Spielstand!

Frühling vs Winter 1:2

Schon beim Anstieg zum 1.748m hohen Schillereck sind uns herrlicke Blicke auf die Priel-Kette vergönnt. Wir staunen nicht schlecht, als auch die Voest in Linz vor unseren Augen ihren Rauch auspustet, während auf den Pyhrgassen der Föhnsturm tobt.

Die Priel-Kette wird von der wärmenden Sonne getroffen
Und bald ist auch der erste ausgiebe Sprung fällig!
Handstand am Gipfel des Schillerecks (1.748m)
Blick ins Alpenvorland- die Rauchwolken der Linzer Voest deutlich erkennbar
Föhnsturm auf Scheiblingstein (2.197m), kleinem Pyhrgas (2.023m) und großem Pyhrgas (2.244m)
Ein letztes Gipfelfoto, bei dem Steine die Kamera am Boden halten müssen, und es geht auf selbigem Weg wieder zurück zum Sender. Der Kamm ist teilweise grandios überwechtet und wir können diese schöne Winterlandschaft in vollen Zügen genießen. Der Winter hat durch seine eleganten Spielzüge ein Traumtor erzielt und bereits für eine kleine Vorentscheidung gesorgt.

Frühlings vs Winter 1:3

Das hölzerne Kreuz muss in diesem föhnigen Winter noch einiges aushalten...
Das Sengsengebirge ist von herrlichen Wechten überzogen
Herrliche Rundumsicht beim Rückweg zum Spering-Sender
Bevor wir den tief verschneiten Weg zum Spering in Serpentinen hochspuren und unsere Schneeschuhe am Beginn des Grates abschnallen, wärmen wir uns noch auf die ein oder andere Weise auf..

Aufwärmsprünge beim Spering-Sender
Während wir oft tief einsinkend dem Kreuz entgegengehen, tobt am Warscheneck weiterhin der Föhn...

Winterlicher Grat zum Spering-Gipfel
Im Jänner 2013 war ich kurz vor dem Gipfel wegen eines aufkommenden Schneesturms gescheitert, umso größer ist heute die Freude auch endlich im Winter am höchsten Punkt zu stehen.

Am Spering-Gipfel (1.605m)
Auch hier vergehen wieder gute dreißig Minuten bevor wir uns am gespurten Grat schnell wieder zurück bequemen. Die Blicke ins Windischgarstner Becken sind eben nicht zu verachten! Wir steigen also wieder auf der Forststraße ab und wechseln auf etwa 1200m auf den Wanderweg, der uns schnell zurück zum Stausee bringt. Weil der Zug erst in einer Stunde antanzt marschieren wir auch noch zur nahegelegenen Tankstelle und füllen unsere Energiespeicher zumindest teilweise wieder auf. Zuvor aber wundern wir uns über das Fabelwesen, das diese Spuren hinterlassen haben muss...

Geheimnisvolle Spuren auf der Forststraße


Tja, man muss es nehmen, wie es kommt- und das Beste daraus machen. So werden aus zehn Gipfeln schnell mal zwei und aus dem Uwe-Anderle Biwak der Notraum beim Spering Sender. Wir habens dennoch genossen!

Achja...und weil ja eigentlich im Februar Hochwinter herrschen müsste, kann der Frühling in der Nachspielzeit eine Sensation hinlegen und tatsächlich noch ausgleichen!

Frühling vs. Winter 3:3

Dann hoffen wir doch noch auf ein souveränes Rückspiel!
Und wer sich alle Bilder dieser wunderbaren beiden Tage im Sengsengebirge zu Gemüte führen will, dem sein ein Blick (und Klick) ins folgende Fotoalbum vergönnt:

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